Caracas, kriminelle Hauptstadt der Welt, 2006
Neue Freunde, Fidel Castro und Hugo Chavez, 2006
WSF in Caracas, 2006
Die Achse des Guten, 2006
Unruhen nach Morden und Entführungen, 2006
Raus aus dem CAN, rein in dem TCP, 2006
Margarita Pinto, 2006
Caracas, kriminelle Hauptstadt der Welt
Vergiss Bogotá, Rio de Janeiro und Johannesburg: die venezolanische Hauptstadt Caracas ist die gewalttätigste Stadt der Welt. Jedes Wochenende sterben Dutzende Jugendliche während Schiessereien. Ist die Regierung Schuld?
Jeroen Kuiper
In: Freitag, 2006
„Erstaunlich groß“, ist spontan mein erster Gedanke, als der Halbwüchsige, der mich auf der Berghellung überholt hat, plötzlich eine Pistole unter seinem T-Shirt hervorholt und auf mich zielt. Es ist eine große, schwarze, glänzende Kanone und es ist eine Waffe, mit der man jemanden tatsächlich töten kann, das ist mir sofort klar. Einen Moment lang weiß ich nicht genau, was abläuft. Das reicht für den Halbwüchsigen. Blitzschnell stellt er sich hinter mich und schlägt mich mit dem Kolbe seiner Waffe auf den Kopf. Das macht er professionell, denn der Schlag ist so forsch, dass ich gezwungen bin in die Knie zu gehen, aber nicht so hart, dass ich bewusstlos werde. Plötzlich wird mir bewusst, was gerade abläuft. „Ein Überfall!“, wird mir bewusst. Das, worüber ich in Venezuela schon so oft Geschichten gehört habe, passiert mir also jetzt, hier, an einem schönen Sonntagmittag in einem Nationalpark am Rande von Caracas, auf einem Wanderweg, wo jeden Moment ein anderer Ausflügler um die Ecke kommen kann.
Plötzlich fängt der Film in meinem Kopf an, sich ab zu spielen: Dies ist ein Überfall und die Regeln sind: ruhig bleiben, kooperieren, alles abgeben, keinen Widerstand leisten. Das tue ich also, während ich auf dem Boden sitze, meinen zweijährigen Sohn noch immer auf meinem Arm, während mein sechsjähriger Sohn an meiner Seite steht. Der Typ, der mich überfällt, ist nicht allein. Er ist ungefähr fünfzehn Jahre alt, während sein Komplize nicht viel älter als zwölf sein kann. Vielleicht bin ich deswegen so überrascht, weil ich nicht erwartet hatte, irgendwo am helllichten Tag von zwei Schülern in Sportkleidung überfallen zu werden. Aber sie sind ganz klar dabei, es doch zu tun. Der Älteste richtet noch immer seine Pistole auf mich, eine Knarre mit großem Kaliber, wovor ich ganz viel Respekt habe. Nur eine Kleinigkeit muss schief gehen und alles läuft aus dem Ruder, bedenke ich und versuche so ruhig wie möglich zu bleiben. In Venezuela wird man ohne Probleme für dreißig Euro erschossen. Ich traue mich kaum, die Jungs an zu schauen, ich will sie nicht provozieren.
Während ich auf dem Boden sitze, nehme ich meinen Rucksack ab und leere fast mechanisch meine Hosentaschen, das Kleingeld, die Schlüssel und alles was darin verborgen ist. Erstaunlicherweise legt der kleine Dieb, der die Sachen einkassiert, ganz präzise meine Schlüssel auf einem Stein zur Seite, die braucht er nicht. Gott sei Dank wollen die nicht auch noch wissen, wo ich wohne, geht es durch meinen Kopf. Ich fühle mich trotzdem erniedrigt, hier so auf dem Boden, mit meinen Kindern die das alles miterleben müssen. `Tu anillo!`, sagt der Älteste plötzlich. „Schnell!“, und er fängt an, nervös mit seiner Waffe zu wedeln. Jetzt gerate ich fast in Panik. Will er wirklich mein Kind, wovor ich schon die ganze Zeit Angst habe? Schließlich nimmt die Zahl der Entführungen auch immer mehr zu in Venezuela. Zum Glück zeigt er mit dem Lauf seiner Pistole auf meinen Ehering: in meinem Stress hatte ich Ring (Anillo) mit Kind (Nino) verwechselt. Ich bin bereit meine Sachen ab zu geben, aber ob ich jetzt einfach so mein Kind abgeben würde…? Gut, so verschwindet also auch mein Ehering, den ich so schnell wie möglich von meinem Finger ziehe, irgendwann während eines verregneten, aber glücklichen Wochenendes in Rom gekauft….
Die Kriminellen haben was sie wollen und ziehen sich ohne etwas zu sagen zurück. Ich traue mich kaum nach oben zu gucken, den Berg hinauf, wo die Diebe hingelaufen sind, weil ich jeden Moment ein Schuss aus der Richtung erwarte. Dann sind sie irgendwann aber weg. So ruhig aber auch so schnell wie möglich laufen wir den Pfad Richtung Parkplatz zurück, nur wenige Minuten von der Stelle des Überfalls entfernt. Dort setze ich mich erst mal an den Rand des Parkplatzes. Ein Parkwächter kommt auf mich zu. `Was ist passiert?`, fragt er, als er sieht, dass mein ältester Sohn weint. Als ich ihm erzähle, dass wir überfallen worden sind, kommt es wie aus der Pistole geschossen: `Ja, das kann gut sein. Es ist hier ganz schön gefährlich. Vor ein paar Wochen sind an einem Wochenende über 50 Personen ausgeraubt worden`. `Typisch Venezuela`, denke ich in dem Moment. Alle wissen, was los ist, alle wissen, das etwas geschehen muss, aber keiner tut etwas. In so einem Moment hasse ich Venezuela, das Land dass ich sonst liebe.
Mitrailleure
Nicht alles, was momentan in Venezuela abläuft, ist Rosenduft und Mondschein. Venezuela ist einer der kriminellsten Länder der Welt. Nirgendwo sterben so viele Menschen durch Schusswunden wie in Caracas. Vergiss Bogotá, Rio de Janeiro und Johannesburg: es ist Caracas, wo jedes Wochenende 30, 40 oder manchmal sogar 70 Personen in Schießereien sterben. Meistens sind es junge Männer, Mitglieder von Drogenbanden, die Rechnungen begleichen oder Territorium bekämpfen. Die Barrios, die Armenviertel im Westen und Osten der Stadt sind absolute No-go-Areas, wenn man sich in diesen Gegenden nicht auskennt.
Auch die Einwohner der Barrios sind ihres Lebens nicht sicher. Sonia, eine Kolumbianerin die schon über dreißig Jahren in Caracas wohnt, fährt jeden Tag von Petare, einem der größten Armenviertel Lateinamerikas, zu ihrer Arbeit im reichen Stadtteil Altamira. Sie verbringt ihre Nächte am Wochenende in Petare regelmäßig auf den Fußboden. `Mein Rücken tut weh, weil ich letzter Samstag aus meinem Bett auf den Boden getaucht bin. In der Gasse hinter meiner Wohnung wurde mit Mittrailleure geschossen. Die Kugeln flogen in alle Richtungen. Am nächsten Morgen sah ich eine große Blutlache auf der Straße. Die Polizei tut nichts, die traut sich nicht in den Barrios.` Sonia braucht man nichts über Kriminalität zu erzählen. Die 60-jährige verlor im letzten Jahr ihre Enkeltochter, die während einer Schießerei bei einer Taufe zufällig getötet wurde. Der Grund für die Schiesserei ist noch immer unklar. Schon öfter erlebte Sonia Überfalle bei ihr in der Straße. `Ich gehe dann schnell auf der anderen Seite der Straße weiter und versuche, nicht hin zu schauen.` Auch war sie mal in einem Bus mitten in der Stadt unterwegs, als plötzlich zwei junge Männer einstiegen, ihre Pistole zogen und alle Passagiere ausrauben wollten. `Jeder gab seine Sachen ab`, erzählt Sonia, `Bis der Mann, der neben mir saß, an der Reihe war. Statt sein Geld ab zu geben, zog er blitzschnell seine Pistole und erschoss in einem Zug beide Diebe. Es war wohl ein Polizist in Zivil.´
Korrupte Polizisten
Polizist oder nicht, jeder der will, kann ohne Mühe eine Waffe organisieren in Venezuela. Eine Waffe bei sich zu tragen, ist für viele normal. Vielleicht sind die Mordraten in Venezuela deswegen so hoch. Laut Zahlen der VN ist Waffengewalt nirgendwo auf der Welt so hoch wie in Venezuela. Tod durch Mord ist die wichtigste Todesursache für Männer in Venezuela. In den letzten Jahren lag die Zahl der Morde um die 10.000 pro Jahr. Die Mordrate in Caracas betrug 2005 sogar die unglaubliche Zahl von 154 Morden pro 100.000 Einwohner. Damit hat sich die Rate zwischen 1998 und 2005 mehr als verdreifacht.
Wo kommt dieser Hang zur Gewalt her? Laut manchen Oppositionellen ist Präsident Chávez mitverantwortlich an der Gewalt: seine schroffe, aggressive Rhetorik sei Mitschuld daran, dass viele Venezolaner schnell andere hassen. In der Praxis hat die zugenommene Gewalt aber wahrscheinlich mehr mit Drogenhandel, Armut und Aussichtslosigkeit in den Armenvierteln zu tun. Fakt ist, dass die Regierung von Chávez bis vor kurzem kaum Aufmerksamkeit für das Thema Gewalt hatte. Das änderte sich aber in April, als ganz Venezuela in Aufruhr geriet nach dem Mord auf die entführten Faddoul-Brüdern die 12, 13 und 17 Jahren alt waren. Die drei Söhne eines kanadisch-venezolanischen Unternehmers wurden zusammen mit deren Chauffeur kaltblutig hingerichtet, nachdem es Komplikationen bei der Entführung gab. Als Reaktion gab es über mehrere Tage Ausschreitungen und Demonstrationen in ganz Venezuela. Viele Venezolaner fuhren mit dem Wort `Luto` (Trauer) in großen Buchstaben auf ihrem PKW durch die Straßen. Die Regierung verhielt sich etwas daneben, als sie ankündigte, es würde Gerechtigkeit geben, die Morde würden aber auch von der Opposition missbraucht, um Unruhen zu stiften.
Mittlerweile sind tatsächlich schon 21 Verdächtige verhaftet worden, darunter einige Polizisten. Einige Tage vorher war schon ein in Italien geborener Geschäftsmann von Polizisten entführt und erschossen worden. Ein paar Tage nachher wurde ein Fotograf, der Bilder von den Demonstrationen gegen die Gewalt machte, von einem Unbekannten auf einem Motorrad erschossen. Während er starb, schoss er sein letztes Bild von dem wegfahrenden Motorrad, das bei der Identifizierung des Täters half: ein Ex-Polizist, der mittlerweile als Killer arbeitete. Dies alles bestätigt das, was viele Venezolaner schon länger wissen: vielen Polizisten kann man nicht vertrauen, sie beteiligen sich an kriminellen Aktivitäten und sind korrupt. Die Polizei ist in Venezuela nicht dein Freund, man versucht immer so weit wie möglich von der Polizei entfernt zu bleiben. Das hat mittlerweile auch der Bürgermeister Juan Barreto von Caracas erkannt. Er entließ mehrere tausende Polizisten, die in kriminellen Aktivitäten verwickelt waren.
Dass diese Entlassungen ausreichen, ist zu bezweifeln. Ein Mitarbeiter einer der europäischen Botschaften in Caracas sagt ganz unumwunden, dass `Die meisten Polizisten in Caracas sich wie Sherrifs fühlen und versuchen, durch Korruption so viel Geld wie möglich zu verdienen.` Außerdem sei es fast unmöglich, mit der Polizei in der Hauptstadt zusammen zu arbeiten. `Emails und Anrufe werden einfach nicht beantwortet. So etwas habe ich noch nie irgendwo erlebt.` Das Informationsschreiben der deutschen Botschaft in Caracas für Deutschen in Venezuela macht auch nicht gerade fröhlich: man solle sich nie in irgendwelche Gespräche mit Fremden einlassen, unterwegs immer die Fenster des PKW geschlossen halten, in der Mitte der Straße fahren, damit man immer ausweichen kann, usw, usw. Dass man am Besten so schnell wie möglich Venezuela verlassen soll, steht gerade noch nicht dazu geschrieben. Übrigens sind sogar die Botschaften und Konsulate in Caracas kein sicheres Terrain: Ende Mai wurde der österreichische Konsul in seinen Arm geschossen, als drei Kriminelle das österreichische Konsulat ausraubten.
Dass die Venezolaner Angst haben ist auch der Opposition nicht entgangen. Seit einigen Wochen gibt es an mehreren Stellen in Caracas den Grafitti-Spruch `Teodoro – Venezuela sin miedo` (Venezuela ohne Angst) zu lesen. Teodoro ist Teodoro Petkoff, der wichtigste oppositioneller Kandidat für die Präsidentschaftswahlen in Dezember dieses Jahres. Mit dem Spruch wird nicht nur auf die Kriminalität hingedeutet, es geht auch um die allgemeine Angst vieler `Mittelschichtsvenezolaner` vor der zukünftigen Politik der Regierung Chávez: wie weit wird er mit seiner sozialistischen Politik gehen?
Secuestro expres
Plötzlich scheint Kriminalität ein fast alles überherrschendes Thema in Venezuela zu sein. Das hat klar mit der Entführung der erschossenen Faddoul-Brüder zu tun. Die Zahl der Entführungen nimmt in Venezuela seit einigen Jahren schnell zu. Noch sind Dimensionen wie in Kolumbien, wo pro Jahr tausende Personen entführt werden, nicht erreicht, aber es geht mittlerweile schon um mehrere hunderte Personen pro Jahr. Regelmäßig sind kolumbianische ex-Guerilleros, Paras oder kolumbianische Kriminelle an den Entführungen beteiligt.
Außerdem leidet Venezuela unter der so genannten Secuestro Express, der Express-Entführung. Opfer werden von Kriminellen mit ihrem Auto für ein paar Stunden entführt, wobei sie Verwandte veranlassen müssen, bestimmte Geldsummen zu überweisen, oder Geld ab zu heben. Danach werden sie, wenn alles gut läuft, irgendwo außerhalb der Stadt hinterlassen, natürlich ohne Auto. Manche Venezolaner bevorzugen deswegen mittlerweile ältere, unauffällige Autos, die nicht so begehrt bei Kriminellen sind.
Die Express-Entführung ist sogar ein unerwarteter Exportschlager geworden: der einzige venezolanische Film, der jemals in großem Stil an US-Kinos verkauft wurde, lief im letzten Jahr in Venezuela: Secuestro-Express. In dem Film wird ein Oberschichtspärchen von drei Kriminellen entführt. Sie überlebt, er stirbt. Die meisten Venezolaner, die den Film gesehen haben, haben das Gefühl, irgendwann schon mal persönlich in diesem Film gewesen zu sein. Die anderen gucken sich in den Tagen nach dem Film noch öfter als sonst über die Schulter, um zu kontrollieren, ob sie von jemandem verfolgt werden. Man ist eben nie sicher in Venezuela.
Vergiss Bogotá, Rio de Janeiro und Johannesburg: die venezolanische Hauptstadt Caracas ist die gewalttätigste Stadt der Welt. Jedes Wochenende sterben Dutzende Jugendliche während Schiessereien. Ist die Regierung Schuld?
Jeroen Kuiper
In: Freitag, 2006
„Erstaunlich groß“, ist spontan mein erster Gedanke, als der Halbwüchsige, der mich auf der Berghellung überholt hat, plötzlich eine Pistole unter seinem T-Shirt hervorholt und auf mich zielt. Es ist eine große, schwarze, glänzende Kanone und es ist eine Waffe, mit der man jemanden tatsächlich töten kann, das ist mir sofort klar. Einen Moment lang weiß ich nicht genau, was abläuft. Das reicht für den Halbwüchsigen. Blitzschnell stellt er sich hinter mich und schlägt mich mit dem Kolbe seiner Waffe auf den Kopf. Das macht er professionell, denn der Schlag ist so forsch, dass ich gezwungen bin in die Knie zu gehen, aber nicht so hart, dass ich bewusstlos werde. Plötzlich wird mir bewusst, was gerade abläuft. „Ein Überfall!“, wird mir bewusst. Das, worüber ich in Venezuela schon so oft Geschichten gehört habe, passiert mir also jetzt, hier, an einem schönen Sonntagmittag in einem Nationalpark am Rande von Caracas, auf einem Wanderweg, wo jeden Moment ein anderer Ausflügler um die Ecke kommen kann.
Plötzlich fängt der Film in meinem Kopf an, sich ab zu spielen: Dies ist ein Überfall und die Regeln sind: ruhig bleiben, kooperieren, alles abgeben, keinen Widerstand leisten. Das tue ich also, während ich auf dem Boden sitze, meinen zweijährigen Sohn noch immer auf meinem Arm, während mein sechsjähriger Sohn an meiner Seite steht. Der Typ, der mich überfällt, ist nicht allein. Er ist ungefähr fünfzehn Jahre alt, während sein Komplize nicht viel älter als zwölf sein kann. Vielleicht bin ich deswegen so überrascht, weil ich nicht erwartet hatte, irgendwo am helllichten Tag von zwei Schülern in Sportkleidung überfallen zu werden. Aber sie sind ganz klar dabei, es doch zu tun. Der Älteste richtet noch immer seine Pistole auf mich, eine Knarre mit großem Kaliber, wovor ich ganz viel Respekt habe. Nur eine Kleinigkeit muss schief gehen und alles läuft aus dem Ruder, bedenke ich und versuche so ruhig wie möglich zu bleiben. In Venezuela wird man ohne Probleme für dreißig Euro erschossen. Ich traue mich kaum, die Jungs an zu schauen, ich will sie nicht provozieren.
Während ich auf dem Boden sitze, nehme ich meinen Rucksack ab und leere fast mechanisch meine Hosentaschen, das Kleingeld, die Schlüssel und alles was darin verborgen ist. Erstaunlicherweise legt der kleine Dieb, der die Sachen einkassiert, ganz präzise meine Schlüssel auf einem Stein zur Seite, die braucht er nicht. Gott sei Dank wollen die nicht auch noch wissen, wo ich wohne, geht es durch meinen Kopf. Ich fühle mich trotzdem erniedrigt, hier so auf dem Boden, mit meinen Kindern die das alles miterleben müssen. `Tu anillo!`, sagt der Älteste plötzlich. „Schnell!“, und er fängt an, nervös mit seiner Waffe zu wedeln. Jetzt gerate ich fast in Panik. Will er wirklich mein Kind, wovor ich schon die ganze Zeit Angst habe? Schließlich nimmt die Zahl der Entführungen auch immer mehr zu in Venezuela. Zum Glück zeigt er mit dem Lauf seiner Pistole auf meinen Ehering: in meinem Stress hatte ich Ring (Anillo) mit Kind (Nino) verwechselt. Ich bin bereit meine Sachen ab zu geben, aber ob ich jetzt einfach so mein Kind abgeben würde…? Gut, so verschwindet also auch mein Ehering, den ich so schnell wie möglich von meinem Finger ziehe, irgendwann während eines verregneten, aber glücklichen Wochenendes in Rom gekauft….
Die Kriminellen haben was sie wollen und ziehen sich ohne etwas zu sagen zurück. Ich traue mich kaum nach oben zu gucken, den Berg hinauf, wo die Diebe hingelaufen sind, weil ich jeden Moment ein Schuss aus der Richtung erwarte. Dann sind sie irgendwann aber weg. So ruhig aber auch so schnell wie möglich laufen wir den Pfad Richtung Parkplatz zurück, nur wenige Minuten von der Stelle des Überfalls entfernt. Dort setze ich mich erst mal an den Rand des Parkplatzes. Ein Parkwächter kommt auf mich zu. `Was ist passiert?`, fragt er, als er sieht, dass mein ältester Sohn weint. Als ich ihm erzähle, dass wir überfallen worden sind, kommt es wie aus der Pistole geschossen: `Ja, das kann gut sein. Es ist hier ganz schön gefährlich. Vor ein paar Wochen sind an einem Wochenende über 50 Personen ausgeraubt worden`. `Typisch Venezuela`, denke ich in dem Moment. Alle wissen, was los ist, alle wissen, das etwas geschehen muss, aber keiner tut etwas. In so einem Moment hasse ich Venezuela, das Land dass ich sonst liebe.
Mitrailleure
Nicht alles, was momentan in Venezuela abläuft, ist Rosenduft und Mondschein. Venezuela ist einer der kriminellsten Länder der Welt. Nirgendwo sterben so viele Menschen durch Schusswunden wie in Caracas. Vergiss Bogotá, Rio de Janeiro und Johannesburg: es ist Caracas, wo jedes Wochenende 30, 40 oder manchmal sogar 70 Personen in Schießereien sterben. Meistens sind es junge Männer, Mitglieder von Drogenbanden, die Rechnungen begleichen oder Territorium bekämpfen. Die Barrios, die Armenviertel im Westen und Osten der Stadt sind absolute No-go-Areas, wenn man sich in diesen Gegenden nicht auskennt.
Auch die Einwohner der Barrios sind ihres Lebens nicht sicher. Sonia, eine Kolumbianerin die schon über dreißig Jahren in Caracas wohnt, fährt jeden Tag von Petare, einem der größten Armenviertel Lateinamerikas, zu ihrer Arbeit im reichen Stadtteil Altamira. Sie verbringt ihre Nächte am Wochenende in Petare regelmäßig auf den Fußboden. `Mein Rücken tut weh, weil ich letzter Samstag aus meinem Bett auf den Boden getaucht bin. In der Gasse hinter meiner Wohnung wurde mit Mittrailleure geschossen. Die Kugeln flogen in alle Richtungen. Am nächsten Morgen sah ich eine große Blutlache auf der Straße. Die Polizei tut nichts, die traut sich nicht in den Barrios.` Sonia braucht man nichts über Kriminalität zu erzählen. Die 60-jährige verlor im letzten Jahr ihre Enkeltochter, die während einer Schießerei bei einer Taufe zufällig getötet wurde. Der Grund für die Schiesserei ist noch immer unklar. Schon öfter erlebte Sonia Überfalle bei ihr in der Straße. `Ich gehe dann schnell auf der anderen Seite der Straße weiter und versuche, nicht hin zu schauen.` Auch war sie mal in einem Bus mitten in der Stadt unterwegs, als plötzlich zwei junge Männer einstiegen, ihre Pistole zogen und alle Passagiere ausrauben wollten. `Jeder gab seine Sachen ab`, erzählt Sonia, `Bis der Mann, der neben mir saß, an der Reihe war. Statt sein Geld ab zu geben, zog er blitzschnell seine Pistole und erschoss in einem Zug beide Diebe. Es war wohl ein Polizist in Zivil.´
Korrupte Polizisten
Polizist oder nicht, jeder der will, kann ohne Mühe eine Waffe organisieren in Venezuela. Eine Waffe bei sich zu tragen, ist für viele normal. Vielleicht sind die Mordraten in Venezuela deswegen so hoch. Laut Zahlen der VN ist Waffengewalt nirgendwo auf der Welt so hoch wie in Venezuela. Tod durch Mord ist die wichtigste Todesursache für Männer in Venezuela. In den letzten Jahren lag die Zahl der Morde um die 10.000 pro Jahr. Die Mordrate in Caracas betrug 2005 sogar die unglaubliche Zahl von 154 Morden pro 100.000 Einwohner. Damit hat sich die Rate zwischen 1998 und 2005 mehr als verdreifacht.
Wo kommt dieser Hang zur Gewalt her? Laut manchen Oppositionellen ist Präsident Chávez mitverantwortlich an der Gewalt: seine schroffe, aggressive Rhetorik sei Mitschuld daran, dass viele Venezolaner schnell andere hassen. In der Praxis hat die zugenommene Gewalt aber wahrscheinlich mehr mit Drogenhandel, Armut und Aussichtslosigkeit in den Armenvierteln zu tun. Fakt ist, dass die Regierung von Chávez bis vor kurzem kaum Aufmerksamkeit für das Thema Gewalt hatte. Das änderte sich aber in April, als ganz Venezuela in Aufruhr geriet nach dem Mord auf die entführten Faddoul-Brüdern die 12, 13 und 17 Jahren alt waren. Die drei Söhne eines kanadisch-venezolanischen Unternehmers wurden zusammen mit deren Chauffeur kaltblutig hingerichtet, nachdem es Komplikationen bei der Entführung gab. Als Reaktion gab es über mehrere Tage Ausschreitungen und Demonstrationen in ganz Venezuela. Viele Venezolaner fuhren mit dem Wort `Luto` (Trauer) in großen Buchstaben auf ihrem PKW durch die Straßen. Die Regierung verhielt sich etwas daneben, als sie ankündigte, es würde Gerechtigkeit geben, die Morde würden aber auch von der Opposition missbraucht, um Unruhen zu stiften.
Mittlerweile sind tatsächlich schon 21 Verdächtige verhaftet worden, darunter einige Polizisten. Einige Tage vorher war schon ein in Italien geborener Geschäftsmann von Polizisten entführt und erschossen worden. Ein paar Tage nachher wurde ein Fotograf, der Bilder von den Demonstrationen gegen die Gewalt machte, von einem Unbekannten auf einem Motorrad erschossen. Während er starb, schoss er sein letztes Bild von dem wegfahrenden Motorrad, das bei der Identifizierung des Täters half: ein Ex-Polizist, der mittlerweile als Killer arbeitete. Dies alles bestätigt das, was viele Venezolaner schon länger wissen: vielen Polizisten kann man nicht vertrauen, sie beteiligen sich an kriminellen Aktivitäten und sind korrupt. Die Polizei ist in Venezuela nicht dein Freund, man versucht immer so weit wie möglich von der Polizei entfernt zu bleiben. Das hat mittlerweile auch der Bürgermeister Juan Barreto von Caracas erkannt. Er entließ mehrere tausende Polizisten, die in kriminellen Aktivitäten verwickelt waren.
Dass diese Entlassungen ausreichen, ist zu bezweifeln. Ein Mitarbeiter einer der europäischen Botschaften in Caracas sagt ganz unumwunden, dass `Die meisten Polizisten in Caracas sich wie Sherrifs fühlen und versuchen, durch Korruption so viel Geld wie möglich zu verdienen.` Außerdem sei es fast unmöglich, mit der Polizei in der Hauptstadt zusammen zu arbeiten. `Emails und Anrufe werden einfach nicht beantwortet. So etwas habe ich noch nie irgendwo erlebt.` Das Informationsschreiben der deutschen Botschaft in Caracas für Deutschen in Venezuela macht auch nicht gerade fröhlich: man solle sich nie in irgendwelche Gespräche mit Fremden einlassen, unterwegs immer die Fenster des PKW geschlossen halten, in der Mitte der Straße fahren, damit man immer ausweichen kann, usw, usw. Dass man am Besten so schnell wie möglich Venezuela verlassen soll, steht gerade noch nicht dazu geschrieben. Übrigens sind sogar die Botschaften und Konsulate in Caracas kein sicheres Terrain: Ende Mai wurde der österreichische Konsul in seinen Arm geschossen, als drei Kriminelle das österreichische Konsulat ausraubten.
Dass die Venezolaner Angst haben ist auch der Opposition nicht entgangen. Seit einigen Wochen gibt es an mehreren Stellen in Caracas den Grafitti-Spruch `Teodoro – Venezuela sin miedo` (Venezuela ohne Angst) zu lesen. Teodoro ist Teodoro Petkoff, der wichtigste oppositioneller Kandidat für die Präsidentschaftswahlen in Dezember dieses Jahres. Mit dem Spruch wird nicht nur auf die Kriminalität hingedeutet, es geht auch um die allgemeine Angst vieler `Mittelschichtsvenezolaner` vor der zukünftigen Politik der Regierung Chávez: wie weit wird er mit seiner sozialistischen Politik gehen?
Secuestro expres
Plötzlich scheint Kriminalität ein fast alles überherrschendes Thema in Venezuela zu sein. Das hat klar mit der Entführung der erschossenen Faddoul-Brüder zu tun. Die Zahl der Entführungen nimmt in Venezuela seit einigen Jahren schnell zu. Noch sind Dimensionen wie in Kolumbien, wo pro Jahr tausende Personen entführt werden, nicht erreicht, aber es geht mittlerweile schon um mehrere hunderte Personen pro Jahr. Regelmäßig sind kolumbianische ex-Guerilleros, Paras oder kolumbianische Kriminelle an den Entführungen beteiligt.
Außerdem leidet Venezuela unter der so genannten Secuestro Express, der Express-Entführung. Opfer werden von Kriminellen mit ihrem Auto für ein paar Stunden entführt, wobei sie Verwandte veranlassen müssen, bestimmte Geldsummen zu überweisen, oder Geld ab zu heben. Danach werden sie, wenn alles gut läuft, irgendwo außerhalb der Stadt hinterlassen, natürlich ohne Auto. Manche Venezolaner bevorzugen deswegen mittlerweile ältere, unauffällige Autos, die nicht so begehrt bei Kriminellen sind.
Die Express-Entführung ist sogar ein unerwarteter Exportschlager geworden: der einzige venezolanische Film, der jemals in großem Stil an US-Kinos verkauft wurde, lief im letzten Jahr in Venezuela: Secuestro-Express. In dem Film wird ein Oberschichtspärchen von drei Kriminellen entführt. Sie überlebt, er stirbt. Die meisten Venezolaner, die den Film gesehen haben, haben das Gefühl, irgendwann schon mal persönlich in diesem Film gewesen zu sein. Die anderen gucken sich in den Tagen nach dem Film noch öfter als sonst über die Schulter, um zu kontrollieren, ob sie von jemandem verfolgt werden. Man ist eben nie sicher in Venezuela.
Neue Freunde
Es weht ein kräftiger politischer Wind von links durch Lateinamerika. Bolivien, Kuba und Venezuelas haben sich mittlerweile zu einer neuen politischen Achse miteinander verbunden. Präsident Evo Morales hat mit Fidel Castro und Hugo Chávez zwei politischen Freunde dazu gewonnen. Bericht aus einem Land in revolutionärer Stimmung.
Jeroen Kuiper
In: Freitag, 2006
Kurz vor acht Uhr morgens im öffentlichen Krankenhaus in Oruro, einer kalten Handelsstadt in 3700 Meter Höhe in den bolivianischen Anden. Obwohl die Praxis noch geschlossen ist, steht vor der Tür des kubanischen Augenarztes im Krankenhaus schon eine Schlange. An der Tür hängt ein vergilbtes Poster, darauf die Flaggen von Kuba und Bolivien. Darunter steht der Name des Programms, wofür die Menschen warten: Operación Milagro Cuba Bolivia. Die Reihe der Wartenden besteht aus Männern und Frauen in einfacher Kleidung. Einige haben einen Lappen vor dem Auge: sie sind schon operiert worden. Dann kommt die Ärztin und macht die Tür auf. Die Leute strömen rein, aber es gibt zu wenig Platz für die Wartenden. Brav nehmen einige wieder draußen Platz.
Die kubanische Ärztin guckt nicht sehr freundlich und will auch nicht reden, dafür fehlt ihr die Erlaubnis. Genauso so ist es auch in Venezuela, das reichere Land weiter im Norden Lateinamerikas, das momentan den gleichen politischen Kurs wie Bolivien fährt. In Venezuela sind schon seit mehreren Jahren kubanische Ärzte aktiv, in Bolivien arbeiten sie erst seit März diesen Jahres. Der Grund zur Verweigerung des Interviews ist einfach: die Kubaner haben Angst für negativer Publizität. Kontrolle scheint ihnen besser, als Offenheit. Dabei brauchen die Kubaner sich aber gar nicht für das, was sie in den `sozialistischen Brüderländern` in Lateinamerika tun, zu schämen: armen Leuten das Tageslicht in den Augen zurückgeben. Und dann auch noch umsonst.
„Ich bin ganz zufrieden mit den Kubanern. Dank ihrer Anwesenheit kann ich wieder sehen. Ich bin vor kurzem von einem kubanischem Arzt in La Paz operiert worden. Ich muss noch ein paar Mal zur Kontrolle hierher und dann bin ich fertig“, erzählt Alberto Mamen, ein 28-jähriger Busfahrer. Er hat einen Lappen vor einem seiner Augen, in Kürze darf der abgenommen worden. Trotz den zufriedenen Worten über die Kubaner gibt es auch Gegenstimmen. Maman versteht diese Opposition aber nicht. „Früher kostete eine Operation mindestens 1000 Dollar. Das Geld hätte ich nie in meinem Leben zusammenbekommen. Aber Dank unserem Präsidenten Evo Morales sind diese Operationen jetzt auch für mich möglich“.
Kubanische Ärzte
Die Kubaner sind wie ein Symbol der neuen Politik die seit Anfang des Jahres über Bolivien rollt, die `revolutionäre` Politik von Evo Morales. Der erste Indigena-Präsident in der Geschichte Boliviens hat radikale Maßnahmen angekündigt, die er vorläufig auch tatsächlich umsetzt. Nationalisierung der Öl- und Gasindustrie, Reformen in der Landwirtschaft, Referenden über eine neue Verfassung und über die Frage nach Autonomie der Regionen: Morales macht es möglich. Er lässt sich durch die Politik des `Sozialismus des 21. Jahrhunderts`, woran der venezolanische Präsident Hugo Chávez seit 1999 arbeitet, inspirieren. Chávez, der momentan wegen den Rekordpreisen für Öl in Petrodollars schwimmt, verteilt sein Geld in ganz Lateinamerika und der Karibik an diejenige, die daran interessiert sind.
Seinen Kritikern zufolge kauft Chávez mit seinen Öldollars politischen Einfluss, aber seinen Anhängern zufolge ist es einfach Solidarität mit den sozialistischen Brüdervölkern in der Region. Auf jeden Fall versucht Chávez, zusammen mit Fidel Castro und seit kurzem Evo Morales, eine neue politische, linke Achse in Lateinamerika auf zu bauen. Obwohl es in Ländern wie Brasilien, Chili, Uruguay und Argentinien auch einen politisch Ruck nach Links gegeben hat, ist die Achse Kubas- Venezuela – Bolivien der harte Kern. Dies ist natürlich gegen den Willen der traditionellen Elite in diesen Ländern. Sie können nur bei einer Umverteilung der Macht und der Einnahmen verlieren.
Das gilt auch in Bolivien, wo die Ärzte einen Großteil der kleinen Oberschicht der Bevölkerung bilden. Sie sind dann auch ganz deutlich gegen die Anwesenheit der Kubaner. Das gilt auch für den Präsidenten des Kollegs der Ärzte in Oruro, Davd Sapiencia Bilbao. Gerade heute leitet er den Protest gegen die Kubaner als Teil eines Aktionstages in ganz Bolivien. „Wissen Sie wie viel die Kubaner verdienen? Sie bekommen pro Tag 250 Bolivianos (25 Euro, JK). Das macht 7500 Bolivianos pro Monat! Ein bolivianischer Arzt bekommt nur etwa 3200 Bolivianos und davon muss er dann auch noch Steuern bezahlen, was die Kubaner nicht müssen! Dazu bekommen die Kubaner auch noch eine Wohnung umsonst!“ Es ist deutlich, dass Bilbao verärgert ist. Für ihn sind die Kubaner sowieso illegal, weil sie nie ihre Fähigkeiten beweisen mussten. „Keiner hat sie jemals um ihre Arbeitsgenehmigung gefragt“. Was Bilbao aber am Meisten weh tut, ist, dass die Kubaner seiner Meinung nach die Arbeitsplätze der Bolivianer wegnehmen. „Wir haben in Bolivien 11.000 arbeitende und noch mal 11.000 arbeitslose Ärzte. Die 1100 kubanischen Ärzte die hier sind, nehmen also unsere Arbeitsstellen ein!“ Dass die bolivianischen Ärzte nicht, so wie manche sagen, auf dem Land in abgelegen Orten arbeiten wollen, ist laut Bilbao Quatsch. „Das Einzige, das Morales mit der Ankunft der Kubaner erreicht, ist dass Castro seine Probleme in Kuba löst! Für ihn ist jeder Mund, der nicht mehr im eigenen Land zu füttern ist, wieder eine Sorge weniger!“. Die kubanischen Ärzte können aber doch nicht so schlecht für Bolivien sein, weil sie ja sowieso komplett von Kuba bezahlt werden, so wie Morales es schon öfter in den Medien gesagt hat? „Das ist eine Lüge! Sie werden von den bolivianischen Gemeinden, wo sie arbeiten, bezahlt! Ich kenne die Zahlen!“.
Alfabetisierungsunterricht
Einige Tage später, in Cochabamba, Boliviens dritte Stadt im Zentrum des Landes. Im Gebäude des zentralen Unterrichtsrates warten Dutzende von Menschen vor dem Eingang eines kleinen Raumes mit darin ein riesiges Banner an der Wand: `Mision Robinson Internacional – Yo Si Puedo (Das internationale Programm Robinson- Ja, ich kann es)`. Das Banner deutet auf den Alfabetisierungsunterricht, der seit kurzem durch die Kubaner und Venezolaner in Bolivien angeboten wird, hin. Die Kubaner, die die gleiche Unterrichtsmethodik in den letzten Jahren schon an mehreren Orten in der Welt getestet haben, waren vorher vor allem in Venezuela erfolgreich. Das Land hat sich mittlerweile zum `analfabetenfreien Land` ausgerufen. Ein Teil der in Venezuela Ausgebildeten ist jetzt nach Bolivien abgereist, um dort zusammen mit den Kubanern in zweiundhalb Jahre ebenfalls 1,1 Millionen Menschen zu alfabetisieren.
Alvaro Zuleta, der Koordinator des Programms für das Departement Cochabamba ist ein fröhlicher Mann mit Brille und Zopf. Er strotzt vor Energie und zaubert die eine Statistik nach der anderen her: „Seit die ersten Lehrer in März angekommen sind, haben wir in Bolivien schon 996 Menschen alfabetisiert, davon 136 in Cochabamba. Insgesamt haben wir schon über 34.000 Teilnehmer. Und das, obwohl es uns an allem fehlt! Siehst du diese Computer? Die sind geliehen. Ansonsten haben wir kaum Möbel, wir haben kein Telefon, fast gar nichts, aber wir meckern nicht. Wir arbeiten, und das ist das Wichtigste!“. Zuleta zufolge dauert das Standard Alfabetisierungsprogramm sieben Wochen, aber ist die benötigte Zeit pro Person unterschiedlich. Obwohl es fast unmöglich scheint um jemandem innerhalb von sieben Wochen lesen und schreiben zu lehren, ist die Methodik anscheinend von der UNESCO geprüft worden.
Neben Zuleta sitzt Dalia Hernandez Vasconcelos, eine Kubanerin die ebenfalls am Programm mitarbeitet. Vasconcelas war, bevor sie nach Bolivien kam, schon Lehrerin in Angola. Ihre Arbeit in Bolivien gefällt ihr gut. „Die Leute sind ganz neugierig, sie wollen etwas lernen. Es beeindruckt mich, wenn alte Leute innerhalb von ein paar Monaten lesen und schreiben lernen“. Kritik auf die Anwesendheit der Kubaner in Bolivien kennt sie nicht. „Keiner hat sich direkt kritisch über meine Anwesendheit geäußert. Ich kümmere mich sowieso nicht um Politik, ich bin hier um den Leuten etwas bei zu bringen“.
Diesel für Soja
Die Ärzte und das Alfabetisierungsprogramm sind die am deutlichsten sichtbaren Formen der Hilfe die aus Venezuela und Kuba nach Bolivien kommt. Die Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern gestaltet sich aber auch in vielen anderen Formen. So bieten Venezuela und Kuba mehrere tausenden Stundenten die Möglichkeit gratis in diesen Ländern zu studieren: Medizin, internationales Recht, Journalistik, und so weiter. Außer mit Studienplätzen hilft Venezuela Bolivien auch mit der so genannten Cedulación der bolivianischen Bevölkerung, ein Prozess wobei die Bolivianer einen Identitätsbeweis bekommen. Zufall oder nicht, meistens sind es die armen Bolivianer, die noch keinen Identitätsbeweis haben. Wenn die einmal so eine Karte besitzen, wird ihre Stimme in der Zukunft wahrscheinlich an Morales gehen, denn so ein Beweis macht das Leben um einiges leichter.
Es geht aber nicht nur um diese relativ kleine, aber für die Bevölkerung ganz deutlich sichtbare Form der Hilfe und Unterstützung aus Kuba und Venezuela. So liefert Venezuela seit Juli billiges Diesel an Bolivien, in Austausch für Soja aus Bolivien. Seit kurzem hat Bolivien Schwierigkeiten bei dem Verkauf von Soja an Kolumbien, weil dieses Land vor kurzem ein bilaterales Handelsabkommen mit den USA verabschiedete. Seitdem wird Kolumbien mit billiger Soja aus den USA überströmt. Chávez, ein starker Gegner dieser bilateralen Freihandelsabkommen beschloss darauf, Bolivien zu unterstützen. Vorher führte er schon erfolgreich den lateinamerikanischen Widerstand gegen den ALCA, eine Freihandelszone für die ganze amerikanische Region an. Als Alternative hat Chávez die ALBA, die so genannte Bolivarianische Alternative für Amerika, eingeführt.
Abschreckende Partner
Wohin die neue politische Achse Kuba – Venezuela – Bolivien` führen wird, ist noch unbekannt. Manche Beobachter fürchten, dass Morales mit Chávez und Morales auf kurzer Sicht zwar ein paar Freunde dazu gewonnen hat, diese Partner aber andere abschrecken könnten. Schließlich empfängt Bolivien schon seit über Jahrzehnten hunderte von Millionen Euros und Dollar an Entwicklungshilfe aus der USA, Japan und der EU. Diese Länder werden genau beobachten, wie Morales seine Politik weiterführen wird.
Dem armen Teil der Bevölkerung sind solche Bespiegelungen aber ziemlich egal. „Dank den Stipendien, die Venezuela anbietet, kann ich da hoffentlich bald Medizin studieren“, sagt Karen Carillo Lopez (19), während sie die Liste mit angebotenen Studien an die Tür des Unterrichtsgebäudes in Cochambamba durchschaut. „Venezuela wird das ganze Studium bezahlen, fünf Jahre lang. Ohne dieses Angebot wäre ein Studium für mich unmöglich gewesen“.
Es weht ein kräftiger politischer Wind von links durch Lateinamerika. Bolivien, Kuba und Venezuelas haben sich mittlerweile zu einer neuen politischen Achse miteinander verbunden. Präsident Evo Morales hat mit Fidel Castro und Hugo Chávez zwei politischen Freunde dazu gewonnen. Bericht aus einem Land in revolutionärer Stimmung.
Jeroen Kuiper
In: Freitag, 2006
Kurz vor acht Uhr morgens im öffentlichen Krankenhaus in Oruro, einer kalten Handelsstadt in 3700 Meter Höhe in den bolivianischen Anden. Obwohl die Praxis noch geschlossen ist, steht vor der Tür des kubanischen Augenarztes im Krankenhaus schon eine Schlange. An der Tür hängt ein vergilbtes Poster, darauf die Flaggen von Kuba und Bolivien. Darunter steht der Name des Programms, wofür die Menschen warten: Operación Milagro Cuba Bolivia. Die Reihe der Wartenden besteht aus Männern und Frauen in einfacher Kleidung. Einige haben einen Lappen vor dem Auge: sie sind schon operiert worden. Dann kommt die Ärztin und macht die Tür auf. Die Leute strömen rein, aber es gibt zu wenig Platz für die Wartenden. Brav nehmen einige wieder draußen Platz.
Die kubanische Ärztin guckt nicht sehr freundlich und will auch nicht reden, dafür fehlt ihr die Erlaubnis. Genauso so ist es auch in Venezuela, das reichere Land weiter im Norden Lateinamerikas, das momentan den gleichen politischen Kurs wie Bolivien fährt. In Venezuela sind schon seit mehreren Jahren kubanische Ärzte aktiv, in Bolivien arbeiten sie erst seit März diesen Jahres. Der Grund zur Verweigerung des Interviews ist einfach: die Kubaner haben Angst für negativer Publizität. Kontrolle scheint ihnen besser, als Offenheit. Dabei brauchen die Kubaner sich aber gar nicht für das, was sie in den `sozialistischen Brüderländern` in Lateinamerika tun, zu schämen: armen Leuten das Tageslicht in den Augen zurückgeben. Und dann auch noch umsonst.
„Ich bin ganz zufrieden mit den Kubanern. Dank ihrer Anwesenheit kann ich wieder sehen. Ich bin vor kurzem von einem kubanischem Arzt in La Paz operiert worden. Ich muss noch ein paar Mal zur Kontrolle hierher und dann bin ich fertig“, erzählt Alberto Mamen, ein 28-jähriger Busfahrer. Er hat einen Lappen vor einem seiner Augen, in Kürze darf der abgenommen worden. Trotz den zufriedenen Worten über die Kubaner gibt es auch Gegenstimmen. Maman versteht diese Opposition aber nicht. „Früher kostete eine Operation mindestens 1000 Dollar. Das Geld hätte ich nie in meinem Leben zusammenbekommen. Aber Dank unserem Präsidenten Evo Morales sind diese Operationen jetzt auch für mich möglich“.
Kubanische Ärzte
Die Kubaner sind wie ein Symbol der neuen Politik die seit Anfang des Jahres über Bolivien rollt, die `revolutionäre` Politik von Evo Morales. Der erste Indigena-Präsident in der Geschichte Boliviens hat radikale Maßnahmen angekündigt, die er vorläufig auch tatsächlich umsetzt. Nationalisierung der Öl- und Gasindustrie, Reformen in der Landwirtschaft, Referenden über eine neue Verfassung und über die Frage nach Autonomie der Regionen: Morales macht es möglich. Er lässt sich durch die Politik des `Sozialismus des 21. Jahrhunderts`, woran der venezolanische Präsident Hugo Chávez seit 1999 arbeitet, inspirieren. Chávez, der momentan wegen den Rekordpreisen für Öl in Petrodollars schwimmt, verteilt sein Geld in ganz Lateinamerika und der Karibik an diejenige, die daran interessiert sind.
Seinen Kritikern zufolge kauft Chávez mit seinen Öldollars politischen Einfluss, aber seinen Anhängern zufolge ist es einfach Solidarität mit den sozialistischen Brüdervölkern in der Region. Auf jeden Fall versucht Chávez, zusammen mit Fidel Castro und seit kurzem Evo Morales, eine neue politische, linke Achse in Lateinamerika auf zu bauen. Obwohl es in Ländern wie Brasilien, Chili, Uruguay und Argentinien auch einen politisch Ruck nach Links gegeben hat, ist die Achse Kubas- Venezuela – Bolivien der harte Kern. Dies ist natürlich gegen den Willen der traditionellen Elite in diesen Ländern. Sie können nur bei einer Umverteilung der Macht und der Einnahmen verlieren.
Das gilt auch in Bolivien, wo die Ärzte einen Großteil der kleinen Oberschicht der Bevölkerung bilden. Sie sind dann auch ganz deutlich gegen die Anwesenheit der Kubaner. Das gilt auch für den Präsidenten des Kollegs der Ärzte in Oruro, Davd Sapiencia Bilbao. Gerade heute leitet er den Protest gegen die Kubaner als Teil eines Aktionstages in ganz Bolivien. „Wissen Sie wie viel die Kubaner verdienen? Sie bekommen pro Tag 250 Bolivianos (25 Euro, JK). Das macht 7500 Bolivianos pro Monat! Ein bolivianischer Arzt bekommt nur etwa 3200 Bolivianos und davon muss er dann auch noch Steuern bezahlen, was die Kubaner nicht müssen! Dazu bekommen die Kubaner auch noch eine Wohnung umsonst!“ Es ist deutlich, dass Bilbao verärgert ist. Für ihn sind die Kubaner sowieso illegal, weil sie nie ihre Fähigkeiten beweisen mussten. „Keiner hat sie jemals um ihre Arbeitsgenehmigung gefragt“. Was Bilbao aber am Meisten weh tut, ist, dass die Kubaner seiner Meinung nach die Arbeitsplätze der Bolivianer wegnehmen. „Wir haben in Bolivien 11.000 arbeitende und noch mal 11.000 arbeitslose Ärzte. Die 1100 kubanischen Ärzte die hier sind, nehmen also unsere Arbeitsstellen ein!“ Dass die bolivianischen Ärzte nicht, so wie manche sagen, auf dem Land in abgelegen Orten arbeiten wollen, ist laut Bilbao Quatsch. „Das Einzige, das Morales mit der Ankunft der Kubaner erreicht, ist dass Castro seine Probleme in Kuba löst! Für ihn ist jeder Mund, der nicht mehr im eigenen Land zu füttern ist, wieder eine Sorge weniger!“. Die kubanischen Ärzte können aber doch nicht so schlecht für Bolivien sein, weil sie ja sowieso komplett von Kuba bezahlt werden, so wie Morales es schon öfter in den Medien gesagt hat? „Das ist eine Lüge! Sie werden von den bolivianischen Gemeinden, wo sie arbeiten, bezahlt! Ich kenne die Zahlen!“.
Alfabetisierungsunterricht
Einige Tage später, in Cochabamba, Boliviens dritte Stadt im Zentrum des Landes. Im Gebäude des zentralen Unterrichtsrates warten Dutzende von Menschen vor dem Eingang eines kleinen Raumes mit darin ein riesiges Banner an der Wand: `Mision Robinson Internacional – Yo Si Puedo (Das internationale Programm Robinson- Ja, ich kann es)`. Das Banner deutet auf den Alfabetisierungsunterricht, der seit kurzem durch die Kubaner und Venezolaner in Bolivien angeboten wird, hin. Die Kubaner, die die gleiche Unterrichtsmethodik in den letzten Jahren schon an mehreren Orten in der Welt getestet haben, waren vorher vor allem in Venezuela erfolgreich. Das Land hat sich mittlerweile zum `analfabetenfreien Land` ausgerufen. Ein Teil der in Venezuela Ausgebildeten ist jetzt nach Bolivien abgereist, um dort zusammen mit den Kubanern in zweiundhalb Jahre ebenfalls 1,1 Millionen Menschen zu alfabetisieren.
Alvaro Zuleta, der Koordinator des Programms für das Departement Cochabamba ist ein fröhlicher Mann mit Brille und Zopf. Er strotzt vor Energie und zaubert die eine Statistik nach der anderen her: „Seit die ersten Lehrer in März angekommen sind, haben wir in Bolivien schon 996 Menschen alfabetisiert, davon 136 in Cochabamba. Insgesamt haben wir schon über 34.000 Teilnehmer. Und das, obwohl es uns an allem fehlt! Siehst du diese Computer? Die sind geliehen. Ansonsten haben wir kaum Möbel, wir haben kein Telefon, fast gar nichts, aber wir meckern nicht. Wir arbeiten, und das ist das Wichtigste!“. Zuleta zufolge dauert das Standard Alfabetisierungsprogramm sieben Wochen, aber ist die benötigte Zeit pro Person unterschiedlich. Obwohl es fast unmöglich scheint um jemandem innerhalb von sieben Wochen lesen und schreiben zu lehren, ist die Methodik anscheinend von der UNESCO geprüft worden.
Neben Zuleta sitzt Dalia Hernandez Vasconcelos, eine Kubanerin die ebenfalls am Programm mitarbeitet. Vasconcelas war, bevor sie nach Bolivien kam, schon Lehrerin in Angola. Ihre Arbeit in Bolivien gefällt ihr gut. „Die Leute sind ganz neugierig, sie wollen etwas lernen. Es beeindruckt mich, wenn alte Leute innerhalb von ein paar Monaten lesen und schreiben lernen“. Kritik auf die Anwesendheit der Kubaner in Bolivien kennt sie nicht. „Keiner hat sich direkt kritisch über meine Anwesendheit geäußert. Ich kümmere mich sowieso nicht um Politik, ich bin hier um den Leuten etwas bei zu bringen“.
Diesel für Soja
Die Ärzte und das Alfabetisierungsprogramm sind die am deutlichsten sichtbaren Formen der Hilfe die aus Venezuela und Kuba nach Bolivien kommt. Die Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern gestaltet sich aber auch in vielen anderen Formen. So bieten Venezuela und Kuba mehrere tausenden Stundenten die Möglichkeit gratis in diesen Ländern zu studieren: Medizin, internationales Recht, Journalistik, und so weiter. Außer mit Studienplätzen hilft Venezuela Bolivien auch mit der so genannten Cedulación der bolivianischen Bevölkerung, ein Prozess wobei die Bolivianer einen Identitätsbeweis bekommen. Zufall oder nicht, meistens sind es die armen Bolivianer, die noch keinen Identitätsbeweis haben. Wenn die einmal so eine Karte besitzen, wird ihre Stimme in der Zukunft wahrscheinlich an Morales gehen, denn so ein Beweis macht das Leben um einiges leichter.
Es geht aber nicht nur um diese relativ kleine, aber für die Bevölkerung ganz deutlich sichtbare Form der Hilfe und Unterstützung aus Kuba und Venezuela. So liefert Venezuela seit Juli billiges Diesel an Bolivien, in Austausch für Soja aus Bolivien. Seit kurzem hat Bolivien Schwierigkeiten bei dem Verkauf von Soja an Kolumbien, weil dieses Land vor kurzem ein bilaterales Handelsabkommen mit den USA verabschiedete. Seitdem wird Kolumbien mit billiger Soja aus den USA überströmt. Chávez, ein starker Gegner dieser bilateralen Freihandelsabkommen beschloss darauf, Bolivien zu unterstützen. Vorher führte er schon erfolgreich den lateinamerikanischen Widerstand gegen den ALCA, eine Freihandelszone für die ganze amerikanische Region an. Als Alternative hat Chávez die ALBA, die so genannte Bolivarianische Alternative für Amerika, eingeführt.
Abschreckende Partner
Wohin die neue politische Achse Kuba – Venezuela – Bolivien` führen wird, ist noch unbekannt. Manche Beobachter fürchten, dass Morales mit Chávez und Morales auf kurzer Sicht zwar ein paar Freunde dazu gewonnen hat, diese Partner aber andere abschrecken könnten. Schließlich empfängt Bolivien schon seit über Jahrzehnten hunderte von Millionen Euros und Dollar an Entwicklungshilfe aus der USA, Japan und der EU. Diese Länder werden genau beobachten, wie Morales seine Politik weiterführen wird.
Dem armen Teil der Bevölkerung sind solche Bespiegelungen aber ziemlich egal. „Dank den Stipendien, die Venezuela anbietet, kann ich da hoffentlich bald Medizin studieren“, sagt Karen Carillo Lopez (19), während sie die Liste mit angebotenen Studien an die Tür des Unterrichtsgebäudes in Cochambamba durchschaut. „Venezuela wird das ganze Studium bezahlen, fünf Jahre lang. Ohne dieses Angebot wäre ein Studium für mich unmöglich gewesen“.
WSF in Caracas
Traumveranstaltung im Paradies der Linken?
Jeroen Kuiper
In: Freitag, 2006
Man muss schon etwas dafür tun, um das regionale Weltsozialforum (WSF) in Caracas zu besuchen. Denn eine der wichtigsten Brücken Venezuelas die Caracas mit dem internationalen Flughafen gleich an der Küste verbindet, kann jeden Moment einstürzen und ist deswegen seit dem 11. Januar gesperrt. Bis zu drei Prozent weniger Wirtschaftswachstum könnte die geschlossene Brücke laut Wirtschaftexperten verursachen, denn außer dem Flughafen ist auch der Containerhafen in La Guaira und die bei einheimischen Touristen beliebte Küste praktisch unerreichbar geworden. Teilnehmer des WSFs müssen unterwegs nach Caracas jetzt Umwege durch gefährliche Barrios über schmale Wege machen. Bis zu fünf Stunden kann die Fahrt jetzt dauern. `Alles die Schuld von Chávez`, schimpft der Taxifahrer, der wie gewohnt alles, was schlecht ist, auf den Präsidenten abschiebt. Trotzdem verdient er ganz gut an den Fahrten: die Preise zum Flughafen sind bis zu 70 Euro pro Person in die Höhe geschossen. Das sind also gute Aussichten für ihn in den nächsten Tagen, denn Caracas erwartet bis zu 100.000 Teilnehmer während des WSFs.
Wer einmal in der Hauptstadt angekommen ist, merkt es wahrscheinlich nicht direkt, denn in den Cafés bekommt man noch seine Tasse mit Koffein. Aber der durchschnitt-Caraquenio hat es seit ein paar Wochen schwer: es gibt keinen Kaffee mehr in den Läden. Der Grund: die Regierung hat ein Höchstpreis pro Kilo Kaffee festgelegt um damit die Kunden gegen kapitalistische Ausbeutung zu schützen. Vorläufig läuft es aber anders als geplant, denn den Produzenten zufolge können sie für den niedrigen festen Preis nicht mit Gewinn produzieren. Venezuela, der neue sozialistische Heilstaat?
Dies sind eben die Fakten, mit dem die Einwohner Venezuelas zu tun haben. Auf einstürzende Brücken und fehlende Kaffee sind sie nicht stolz, dafür aber auf das Weltsozialforum, das hier vom 24. bis zum 29. Januar stattfinden wird. Das heißt, einer der drei WSFs, denn im vergangen Jahr haben die Veranstalter beschlossen, 2006 zum ersten Mal das WSF auf den drei südlichen Kontinenten zu verteilen. In Afrika fand das Forum in den vergangen Tagen in der malinesischen Hauptstadt Bamako statt, in Asien wird das Forum im April in der pakistanischen Metropole Karachi stattfinden.
Die Chance ist groß, dass das Treffen in Venezuela die höchsten medialen Wellen auslösen wird, denn Venezuelas Präsident Hugo Chávez und der neulich gewählte Präsident Evo Morales aus Bolivien haben ihre Beteiligung schon angekündigt. Vor allem die Anwesendheit von Chávez ist schon fast eine Garantie für spektakuläre Aussagen und Beschimpfungen Richtung Imperialismus im allgemeinen und die USA insbesondere. Ansonsten ist und bleibt das WSF was es ist: eine aufregende Diskutierveranstaltung wo jeder ohne Konsequenzen seine eigene Ideen und Träume präsentieren kann. Und das ist etwas, das gerade Lateinamerikaner ganz gerne tun. Alleine für das regionale WSF in Caracas haben NGOs und Basisgruppen aus dem ganzen amerikanischen Kontinent schon über 2000 Workshops und Veranstaltungen angekündigt. Da das WSF eine Art intellektueller Freiraum ist, ist es schwierig vorher zu sagen, welche Themen die wichtigsten während des Treffens werden. Es sind nur sechs Hauptthemenfelder festgelegt worden, die alle irgendwie bekannt klingen. So wird unter anderem über `Alternativen zur Raubtier-Zivilisation`, `imperiale Strategien und Widerstand der Völker` und `Verschiedenheit, Identitäten und Weltsicht in den Bewegungen` diskutiert werden. Trotz den bekannten Themen sind die Titel nicht gerade packend und ziemlich weitläufig, was schnell zu ausufernden Diskussionen führen kann.
Die Beliebigkeit der Diskussionen bedeutet aber nicht, dass das WSF sinnlos ist. Das Zusammenkommen von 100.000 Teilnehmer aus ganz Lateinamerika wird vor allem den Geistern der Teilnehmer gut tun: wir sind nicht alleine, zusammen sind wir stark, und, noch wichtiger, wir werden noch immer stärker. Vor allem politisch betrachtet ist die Linke in Lateinamerika mächtig auf dem Vormarsch, mit als vorläufig letzter Entwicklung die Wahl einer neuen, weiblichen und sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet am 15. Januar in Chile. Dabei wird es wohl nicht bleiben, denn 2006 stehen noch weitere Wahlen in Lateinamerika an, unter andere in Mexiko und Peru, wo die Zeichen auch auf Links stehen.
Das WSF in Caracas ist aber auch vor allem gerade weil es in Venezuela stattfindet so sinnvoll. Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass Venezuela eines der politische interessantsten Labore weltweit ist. Gerade deswegen werden beim WSF in Caracas auch deutlich mehr US-Amerikaner als bei den letzten WSFs in Porto Alegre in Brasilien und in Bombay in Indien erwartet. `Hauptziel unseres Besuchs ist es, eine bessere Einsicht in die venezolanische Realität zu bekommen, damit unsere Leute, wenn sie zurück in den USA sind, die Medienhetze gegen Chávez bekämpfen können`, laut Zach Hurwitz von der Menschenrechtenorganisation Global Exchange aus San Fransisco in einem Interview mit der Presseagentur IPS. Auch Jacobo Torres de Leon, einer der Koordinatoren des Sozialforums, ist dieser Meinung. `Die große Attraktion des WSFs in Caracas ist, dass die Teilnehmer selber sehen können, was im Moment in Venezuela passiert`.
Weil das WSF im Prinzip alles was links und progressiv ist, vereint, wird das Forum von der venezolanischen Regierung umarmt und finanziell unterstützt. Die Frage ist aber, inwiefern das Treffen unabhängig von der venezolanischen Regierungspolitik bleiben kann, denn das WSF versucht sich traditionell von Politikern fern zu halten. Vielen Teilnehmern wird eine Nutzung des Forums als Plattform für Chávez und seine bolivarianische Revolution aber wohl nicht allzu viel ausmachen, denn Chávez ist für den Großteil der Anwesenden beim WSF eine Kultfigur. Er ist außerdem ein begnadeter Redner, der die Massen mobilisieren und elektrifizieren kann. Chávez wird die Ikone des WSFs werden.
Traumveranstaltung im Paradies der Linken?
Jeroen Kuiper
In: Freitag, 2006
Man muss schon etwas dafür tun, um das regionale Weltsozialforum (WSF) in Caracas zu besuchen. Denn eine der wichtigsten Brücken Venezuelas die Caracas mit dem internationalen Flughafen gleich an der Küste verbindet, kann jeden Moment einstürzen und ist deswegen seit dem 11. Januar gesperrt. Bis zu drei Prozent weniger Wirtschaftswachstum könnte die geschlossene Brücke laut Wirtschaftexperten verursachen, denn außer dem Flughafen ist auch der Containerhafen in La Guaira und die bei einheimischen Touristen beliebte Küste praktisch unerreichbar geworden. Teilnehmer des WSFs müssen unterwegs nach Caracas jetzt Umwege durch gefährliche Barrios über schmale Wege machen. Bis zu fünf Stunden kann die Fahrt jetzt dauern. `Alles die Schuld von Chávez`, schimpft der Taxifahrer, der wie gewohnt alles, was schlecht ist, auf den Präsidenten abschiebt. Trotzdem verdient er ganz gut an den Fahrten: die Preise zum Flughafen sind bis zu 70 Euro pro Person in die Höhe geschossen. Das sind also gute Aussichten für ihn in den nächsten Tagen, denn Caracas erwartet bis zu 100.000 Teilnehmer während des WSFs.
Wer einmal in der Hauptstadt angekommen ist, merkt es wahrscheinlich nicht direkt, denn in den Cafés bekommt man noch seine Tasse mit Koffein. Aber der durchschnitt-Caraquenio hat es seit ein paar Wochen schwer: es gibt keinen Kaffee mehr in den Läden. Der Grund: die Regierung hat ein Höchstpreis pro Kilo Kaffee festgelegt um damit die Kunden gegen kapitalistische Ausbeutung zu schützen. Vorläufig läuft es aber anders als geplant, denn den Produzenten zufolge können sie für den niedrigen festen Preis nicht mit Gewinn produzieren. Venezuela, der neue sozialistische Heilstaat?
Dies sind eben die Fakten, mit dem die Einwohner Venezuelas zu tun haben. Auf einstürzende Brücken und fehlende Kaffee sind sie nicht stolz, dafür aber auf das Weltsozialforum, das hier vom 24. bis zum 29. Januar stattfinden wird. Das heißt, einer der drei WSFs, denn im vergangen Jahr haben die Veranstalter beschlossen, 2006 zum ersten Mal das WSF auf den drei südlichen Kontinenten zu verteilen. In Afrika fand das Forum in den vergangen Tagen in der malinesischen Hauptstadt Bamako statt, in Asien wird das Forum im April in der pakistanischen Metropole Karachi stattfinden.
Die Chance ist groß, dass das Treffen in Venezuela die höchsten medialen Wellen auslösen wird, denn Venezuelas Präsident Hugo Chávez und der neulich gewählte Präsident Evo Morales aus Bolivien haben ihre Beteiligung schon angekündigt. Vor allem die Anwesendheit von Chávez ist schon fast eine Garantie für spektakuläre Aussagen und Beschimpfungen Richtung Imperialismus im allgemeinen und die USA insbesondere. Ansonsten ist und bleibt das WSF was es ist: eine aufregende Diskutierveranstaltung wo jeder ohne Konsequenzen seine eigene Ideen und Träume präsentieren kann. Und das ist etwas, das gerade Lateinamerikaner ganz gerne tun. Alleine für das regionale WSF in Caracas haben NGOs und Basisgruppen aus dem ganzen amerikanischen Kontinent schon über 2000 Workshops und Veranstaltungen angekündigt. Da das WSF eine Art intellektueller Freiraum ist, ist es schwierig vorher zu sagen, welche Themen die wichtigsten während des Treffens werden. Es sind nur sechs Hauptthemenfelder festgelegt worden, die alle irgendwie bekannt klingen. So wird unter anderem über `Alternativen zur Raubtier-Zivilisation`, `imperiale Strategien und Widerstand der Völker` und `Verschiedenheit, Identitäten und Weltsicht in den Bewegungen` diskutiert werden. Trotz den bekannten Themen sind die Titel nicht gerade packend und ziemlich weitläufig, was schnell zu ausufernden Diskussionen führen kann.
Die Beliebigkeit der Diskussionen bedeutet aber nicht, dass das WSF sinnlos ist. Das Zusammenkommen von 100.000 Teilnehmer aus ganz Lateinamerika wird vor allem den Geistern der Teilnehmer gut tun: wir sind nicht alleine, zusammen sind wir stark, und, noch wichtiger, wir werden noch immer stärker. Vor allem politisch betrachtet ist die Linke in Lateinamerika mächtig auf dem Vormarsch, mit als vorläufig letzter Entwicklung die Wahl einer neuen, weiblichen und sozialistischen Präsidentin Michelle Bachelet am 15. Januar in Chile. Dabei wird es wohl nicht bleiben, denn 2006 stehen noch weitere Wahlen in Lateinamerika an, unter andere in Mexiko und Peru, wo die Zeichen auch auf Links stehen.
Das WSF in Caracas ist aber auch vor allem gerade weil es in Venezuela stattfindet so sinnvoll. Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass Venezuela eines der politische interessantsten Labore weltweit ist. Gerade deswegen werden beim WSF in Caracas auch deutlich mehr US-Amerikaner als bei den letzten WSFs in Porto Alegre in Brasilien und in Bombay in Indien erwartet. `Hauptziel unseres Besuchs ist es, eine bessere Einsicht in die venezolanische Realität zu bekommen, damit unsere Leute, wenn sie zurück in den USA sind, die Medienhetze gegen Chávez bekämpfen können`, laut Zach Hurwitz von der Menschenrechtenorganisation Global Exchange aus San Fransisco in einem Interview mit der Presseagentur IPS. Auch Jacobo Torres de Leon, einer der Koordinatoren des Sozialforums, ist dieser Meinung. `Die große Attraktion des WSFs in Caracas ist, dass die Teilnehmer selber sehen können, was im Moment in Venezuela passiert`.
Weil das WSF im Prinzip alles was links und progressiv ist, vereint, wird das Forum von der venezolanischen Regierung umarmt und finanziell unterstützt. Die Frage ist aber, inwiefern das Treffen unabhängig von der venezolanischen Regierungspolitik bleiben kann, denn das WSF versucht sich traditionell von Politikern fern zu halten. Vielen Teilnehmern wird eine Nutzung des Forums als Plattform für Chávez und seine bolivarianische Revolution aber wohl nicht allzu viel ausmachen, denn Chávez ist für den Großteil der Anwesenden beim WSF eine Kultfigur. Er ist außerdem ein begnadeter Redner, der die Massen mobilisieren und elektrifizieren kann. Chávez wird die Ikone des WSFs werden.
Die Achse des guten
Morales und Chávez unterzeichneten mehrere Handelsverträge. USA soll Sturz von Morales planen. Chávez ist an Uribe`s Vorschlag zu einer `Bolivarianischen Andenkonföderation` interessiert.
Jeroen Kuiper
In: Junge Welt, 2006
Das neue Bündnis zwischen Bolivien und Venezuela, unterstützt von Kuba, hat letzte Woche einen kräftigen Schub vorwärts bekommen. In der bolivianischen Kokaregion Chapare unterzeichneten Boliviens Präsident Morales und Venezuelas Präsident Hugo Chávez im Beisein von Kubas Vizepräsident Carlos Lage mehrere Handelsabkommen in den Bereichen Landwirtschaft und Energiepolitik. Außerdem warf Chávez der US-amerikanischen Regierung vor, den Sturz von Morales von der amerikanischen Botschaft in La Paz aus zu planen. Letzte Woche hatte Bush sein Besorgnis über den `erodierenden Zustand der Demokratie` in Bolivien und Venezuela ausgesprochen. Morales, der die Zusammenarbeit zwischen Bolivien, Venezuela und Kuba als `Achse des guten` betitelte, gab Chávez mit seiner Putschwarnung recht: `Nachdem wir die Öl- und Gasindustrie nationalisiert haben, wollen einige das Volk ermorden und die bolivianische Demokratie zerschlagen`, sagte Morales. Chávez schlug vor, die militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern auszubauen und rief dazu auf, eine Art NATO für Lateinamerika zu gründen.
Nicht nur im militärischen Bereich will Chávez die Integration in Lateinamerika vorantreiben. Nachdem er letzten Monat ankündigte, dass Venezuela aus der Andengemeinschaft (CAN) aussteigen wird, erklärte Chávez sich am Sonntag bereit, über den Vorschlag des wiedergewählten kolumbianischen Präsidenten Uribe zur Gründung einer `Bolivarianischen Andenkonföderation (CBA)` zu sprechen. Trotz der unterschiedlichen Meinungen über Freihandel zwischen Lateinamerika und den USA hatte Uribe aus Respekt vor Chávez diesen Vorschlag gemacht. Chávez, klarer Gegner der bilateralen Freihandelsverträge zwischen den USA und Kolumbien und Peru, ist die treibende Kraft hinter dem ALBA, die `Bolivarianische Alternative für Amerika` und dem Handelsvertrag der Völker (TCP), der Ende April im kubanischen Havanna von Kuba, Bolivien und Venezuela unterzeichnet wurde.
Der eigentliche Grund des Besuchs von Chávez in Bolivien war aber die Unterzeichnung mehrerer Handelsabkommen. So beschlossen die beiden Staatschefs zur Industrialisierung der Produktion von Soja, Milch, Tee, Kaffee und Kokablättern. `Wir werden klarmachen, dass Koka kein Kokain ist`, sagte Morales in Chapare, der Kokaregion wo seine politische Karriere begann. Außerdem kündigte Morales eine Landreform an. `Wir werden das Land für diejenigen die jetzt kein Land haben, zurückgewinnen`, so Morales. Ähnlich wie in Venezuela, wo Chávez seinen `Kampf gegen den Großgrundbesitz` schon im vergangenen Jahr anfing, sind in Bolivien etwa 90 Prozent der Anbaufläche in Händen von weniger als zehn Prozent der Bevölkerung.
Im Energiebereich sagte Venezuela zu, monatlich 200.000 Fässer Diesel zu günstigen Preisen an Bolivien zu liefern. Als Reaktion auf Vorwürfe der venezolanischen Opposition, Chávez verschenke die Bodenschätze der Venezolaner, sagte er: `Bolivien wird uns für den Diesel zahlen, wir verschenken nichts. Das Geld wir aber nicht direkt an uns bezahlt. Die etwa 100 Millionen Dollar pro Jahr werden in Bolivien in einem Fonds bleiben. So gründen wir die Bank des Südens in der Praxis`.
Chávez zufolge wird das Geld der Bank kleinen Bauern zur Verfügung stehen. `Die Bauern bezahlen die Bank mit Geld oder mit Produkten. Ich hoffe, die Bauern werden Soja von guter Qualität liefern. Der Wert des Produktes ist wichtiger als der monetäre Wert. Wir werden die Dogmen des Kapitalismus zerschlagen`.
Im Energiebereich beschlossen beide Länder zu einer Allianz zwischen der venezolanischen staatlichen Ölfirma PDVSA und dem bolivianischen Konzern YPFB. Venezuela will insgesamt etwa 1,5 Milliarden Dollar in die bolivianischen Gas- und Erdölindustrie investieren. Bolivien hat nach Venezuela die zweitgrößten Erdgasvorkommen in ganz Lateinamerika. Die venezolanische PDVSA wird in Bolivien neue Gas- und Ölquellen anbohren und in die petrochemische Industrie investierten.
Nicht nur Venezuela schloss Abkommen mit Bolivien. Kuba unterstützt Bolivien vor allem in den Bereichen Ausbildung und Gesundheit. Ähnlich wie in Venezuela unterstützt Kuba in Bolivien Alphabetisierungsunterricht durch ein spezielles Programm, an dem sich kubanische und venezolanische Lehrer beteiligen. Das Alphabetisierungsprogramm, das innerhalb von zweieinhalb Jahren zur kompletten Alphabetisierung von Bolivien führen soll, war in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich in Venezuela. Außerdem `liefert` Kuba mehrere tausende Ärzte an Bolivien, wofür Kuba Agrarprodukte und Öl zurückbekommt.
Morales und Chávez unterzeichneten mehrere Handelsverträge. USA soll Sturz von Morales planen. Chávez ist an Uribe`s Vorschlag zu einer `Bolivarianischen Andenkonföderation` interessiert.
Jeroen Kuiper
In: Junge Welt, 2006
Das neue Bündnis zwischen Bolivien und Venezuela, unterstützt von Kuba, hat letzte Woche einen kräftigen Schub vorwärts bekommen. In der bolivianischen Kokaregion Chapare unterzeichneten Boliviens Präsident Morales und Venezuelas Präsident Hugo Chávez im Beisein von Kubas Vizepräsident Carlos Lage mehrere Handelsabkommen in den Bereichen Landwirtschaft und Energiepolitik. Außerdem warf Chávez der US-amerikanischen Regierung vor, den Sturz von Morales von der amerikanischen Botschaft in La Paz aus zu planen. Letzte Woche hatte Bush sein Besorgnis über den `erodierenden Zustand der Demokratie` in Bolivien und Venezuela ausgesprochen. Morales, der die Zusammenarbeit zwischen Bolivien, Venezuela und Kuba als `Achse des guten` betitelte, gab Chávez mit seiner Putschwarnung recht: `Nachdem wir die Öl- und Gasindustrie nationalisiert haben, wollen einige das Volk ermorden und die bolivianische Demokratie zerschlagen`, sagte Morales. Chávez schlug vor, die militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern auszubauen und rief dazu auf, eine Art NATO für Lateinamerika zu gründen.
Nicht nur im militärischen Bereich will Chávez die Integration in Lateinamerika vorantreiben. Nachdem er letzten Monat ankündigte, dass Venezuela aus der Andengemeinschaft (CAN) aussteigen wird, erklärte Chávez sich am Sonntag bereit, über den Vorschlag des wiedergewählten kolumbianischen Präsidenten Uribe zur Gründung einer `Bolivarianischen Andenkonföderation (CBA)` zu sprechen. Trotz der unterschiedlichen Meinungen über Freihandel zwischen Lateinamerika und den USA hatte Uribe aus Respekt vor Chávez diesen Vorschlag gemacht. Chávez, klarer Gegner der bilateralen Freihandelsverträge zwischen den USA und Kolumbien und Peru, ist die treibende Kraft hinter dem ALBA, die `Bolivarianische Alternative für Amerika` und dem Handelsvertrag der Völker (TCP), der Ende April im kubanischen Havanna von Kuba, Bolivien und Venezuela unterzeichnet wurde.
Der eigentliche Grund des Besuchs von Chávez in Bolivien war aber die Unterzeichnung mehrerer Handelsabkommen. So beschlossen die beiden Staatschefs zur Industrialisierung der Produktion von Soja, Milch, Tee, Kaffee und Kokablättern. `Wir werden klarmachen, dass Koka kein Kokain ist`, sagte Morales in Chapare, der Kokaregion wo seine politische Karriere begann. Außerdem kündigte Morales eine Landreform an. `Wir werden das Land für diejenigen die jetzt kein Land haben, zurückgewinnen`, so Morales. Ähnlich wie in Venezuela, wo Chávez seinen `Kampf gegen den Großgrundbesitz` schon im vergangenen Jahr anfing, sind in Bolivien etwa 90 Prozent der Anbaufläche in Händen von weniger als zehn Prozent der Bevölkerung.
Im Energiebereich sagte Venezuela zu, monatlich 200.000 Fässer Diesel zu günstigen Preisen an Bolivien zu liefern. Als Reaktion auf Vorwürfe der venezolanischen Opposition, Chávez verschenke die Bodenschätze der Venezolaner, sagte er: `Bolivien wird uns für den Diesel zahlen, wir verschenken nichts. Das Geld wir aber nicht direkt an uns bezahlt. Die etwa 100 Millionen Dollar pro Jahr werden in Bolivien in einem Fonds bleiben. So gründen wir die Bank des Südens in der Praxis`.
Chávez zufolge wird das Geld der Bank kleinen Bauern zur Verfügung stehen. `Die Bauern bezahlen die Bank mit Geld oder mit Produkten. Ich hoffe, die Bauern werden Soja von guter Qualität liefern. Der Wert des Produktes ist wichtiger als der monetäre Wert. Wir werden die Dogmen des Kapitalismus zerschlagen`.
Im Energiebereich beschlossen beide Länder zu einer Allianz zwischen der venezolanischen staatlichen Ölfirma PDVSA und dem bolivianischen Konzern YPFB. Venezuela will insgesamt etwa 1,5 Milliarden Dollar in die bolivianischen Gas- und Erdölindustrie investieren. Bolivien hat nach Venezuela die zweitgrößten Erdgasvorkommen in ganz Lateinamerika. Die venezolanische PDVSA wird in Bolivien neue Gas- und Ölquellen anbohren und in die petrochemische Industrie investierten.
Nicht nur Venezuela schloss Abkommen mit Bolivien. Kuba unterstützt Bolivien vor allem in den Bereichen Ausbildung und Gesundheit. Ähnlich wie in Venezuela unterstützt Kuba in Bolivien Alphabetisierungsunterricht durch ein spezielles Programm, an dem sich kubanische und venezolanische Lehrer beteiligen. Das Alphabetisierungsprogramm, das innerhalb von zweieinhalb Jahren zur kompletten Alphabetisierung von Bolivien führen soll, war in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich in Venezuela. Außerdem `liefert` Kuba mehrere tausende Ärzte an Bolivien, wofür Kuba Agrarprodukte und Öl zurückbekommt.
Unruhen nach Morde auf Entführten und Fotografen
Die teilweise kriminelle venezolanische Polizei soll reformiert werden. Die Regierung rief dazu auf, die Morde nicht zu politisieren.
Jeroen Kuiper
In: Junge Welt, 2006
Sechs Morde in den letzten zwei Wochen führten in ganz Venezuela zu Zusammenstoßen zwischen Polizei und Demonstranten. Fünf der Ermordeten waren Entführte; der sechste Person war Fotograf der Tageszeitung El Mundo. Jorge Aguirre berichtete gerade über die Demonstrationen, als er am hellichten Tag erschossen wurde. Sein letztes Bild: ein Abdruck des wegrasenden Motors, mit darauf sein Mörderer. Der Motorfahrer in zivil hatte das als Pressewagen ausgezeichnetes Auto des Journalisten mit den Worten `Ich bin die Autorität` zum Anhalten aufgefordert und anschliessend mit drei Schüssen den Fotografen erschossen. Der Grund für den Mord ist noch völlig unklar.
Die Demonstrationen fingen am Mittwoch an, nachdem bekannt wurde dass die Leichen von drei in Februar entführten Brüder (17, 13 und 12 Jahre alt) von kanadisch-libanesischer Herkunft plus ihrem Chauffeur etwa 30 Kilometer südlich von Caracas gefunden wurden. Die Entführten waren exekutiert, nachdem der Vater der drei Jungs, ein eingewanderter Geschäftsmann, das geforderte Lösegeld nicht zahlen konnte. Die gefordete Summe betrug am Anfang 10 Milliarden Bolivares (etwa 3,6 Millionen Euro); laut Tageszeitung El Nacional war die letzte Summe, womit die Entführer einverstanden waren, 500 Millionen Bolivares (etwa 180.000 Euro).
Mitterweile sind in dem Fall der ermordeten Brüder und ihren Chauffeur drei Personen verhaftet worden, die die Entführten während ihrer Geiselnahme bewacht haben sollen. Auch im Fall eines entführten und anschliessend erschossener Geschäftsmann von italiänischer Herkunft hat die venezolanische Polizei mitterweile erste Verhaftungen gemeldet.
Am Mittwoch und am Donnerstag kam es an mehreren Orte im ganzen Land zu spontanen Demonstrationen von Studenten, Mutter und Angestellte, die Gerechtigkeit und Sicherheit forderten. Venezuela kennt eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt. Waffenbesitz ist normal. Ein Großteil der Einwohner Venezuelas lebt in ständigem Angst vor Raub, Entführung und Mord. Die Barrios (Armenviertel) in Caracas, wo Millionen Arme wohnen, sind am Wochenende eine polizeifreie Zone wo Drogenbanden einander mit Mitrailleure bekämpfen. Die Zahl der Entführungen in Venezuela hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen bis zu mehrere Hunderte pro Jahr, laut manche wegen der Anwesendheit von Kolumbianischen Kriminelen im Land. Außerdem werden pro Jahr Tausende Personen Opfer einer sogenannten Express-Entführung, wobei man für einige Stunden entführt wird und in dieser Zeit Geldsummen überweisen muß und anschließend sein Auto abgeben muß.
In Caracas trieb die Polizei am Mittwohabend mit Tränegas Truppen Demonstranten auseinander, die die Wege blockierten. Die Regierung hat Angst, dass die Demonstrationen in spontanen Proteste gegen der Regierung ausarten. Minister Jesse Chacón für Innere Angelegenheiten rief die politischen Parteien und die Medien auf, die Morde nicht zu politisieren.
Mitterweile hat der Bürgemeister von Caracas erste Maßnahmen um die Gewalt in der Hauptstadt ein zu dämmen, genommen. Juan Barreto kündigte an, die PM, die Policia Metropolitana zu `militarisieren`. Mehrere Armeeofiziere wurden der Führung der Polizei hinzugefügt. Barreto schloß die Beteiligung von Polizisten an der Entführung der Brüder Faddoul nicht aus. Außerdem veröffentlichte Barreto eine Übersicht von 512 Polizisten die in kriminellen Aktivitäten verwickelt sind, von Entführungen, Erpressungen über Verwaltigung bis zu Serienmorde. Laut Barreto sei dies ein `Produkt der Ausbildung dieser Polizisten in der Zeit der vierten Republik (die politische Ära vor der Machtsübernahme durch Präsident Chávez)`. Barrreto hat seit seiner Amtsübernahme schon mehr als 3.000 Polizisten die in kriminellen Aktivitäten verwickelt waren, entlassen.
Am Freitag trafen sich Minister, Richter, Anwälte und Abgeordnete um mehrere Maßnahmen gegen die Kriminalität zu nehmen. Minister Chacón kündigte die Gründung eines nationalen Instituts für die Polizeireform an. Innerhalb von 120 Tagen sollen Vorschläge zur Verbesserung der komplizierten Polizeistruktur in Venezuela vorgelegt werden.
Die teilweise kriminelle venezolanische Polizei soll reformiert werden. Die Regierung rief dazu auf, die Morde nicht zu politisieren.
Jeroen Kuiper
In: Junge Welt, 2006
Sechs Morde in den letzten zwei Wochen führten in ganz Venezuela zu Zusammenstoßen zwischen Polizei und Demonstranten. Fünf der Ermordeten waren Entführte; der sechste Person war Fotograf der Tageszeitung El Mundo. Jorge Aguirre berichtete gerade über die Demonstrationen, als er am hellichten Tag erschossen wurde. Sein letztes Bild: ein Abdruck des wegrasenden Motors, mit darauf sein Mörderer. Der Motorfahrer in zivil hatte das als Pressewagen ausgezeichnetes Auto des Journalisten mit den Worten `Ich bin die Autorität` zum Anhalten aufgefordert und anschliessend mit drei Schüssen den Fotografen erschossen. Der Grund für den Mord ist noch völlig unklar.
Die Demonstrationen fingen am Mittwoch an, nachdem bekannt wurde dass die Leichen von drei in Februar entführten Brüder (17, 13 und 12 Jahre alt) von kanadisch-libanesischer Herkunft plus ihrem Chauffeur etwa 30 Kilometer südlich von Caracas gefunden wurden. Die Entführten waren exekutiert, nachdem der Vater der drei Jungs, ein eingewanderter Geschäftsmann, das geforderte Lösegeld nicht zahlen konnte. Die gefordete Summe betrug am Anfang 10 Milliarden Bolivares (etwa 3,6 Millionen Euro); laut Tageszeitung El Nacional war die letzte Summe, womit die Entführer einverstanden waren, 500 Millionen Bolivares (etwa 180.000 Euro).
Mitterweile sind in dem Fall der ermordeten Brüder und ihren Chauffeur drei Personen verhaftet worden, die die Entführten während ihrer Geiselnahme bewacht haben sollen. Auch im Fall eines entführten und anschliessend erschossener Geschäftsmann von italiänischer Herkunft hat die venezolanische Polizei mitterweile erste Verhaftungen gemeldet.
Am Mittwoch und am Donnerstag kam es an mehreren Orte im ganzen Land zu spontanen Demonstrationen von Studenten, Mutter und Angestellte, die Gerechtigkeit und Sicherheit forderten. Venezuela kennt eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt. Waffenbesitz ist normal. Ein Großteil der Einwohner Venezuelas lebt in ständigem Angst vor Raub, Entführung und Mord. Die Barrios (Armenviertel) in Caracas, wo Millionen Arme wohnen, sind am Wochenende eine polizeifreie Zone wo Drogenbanden einander mit Mitrailleure bekämpfen. Die Zahl der Entführungen in Venezuela hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen bis zu mehrere Hunderte pro Jahr, laut manche wegen der Anwesendheit von Kolumbianischen Kriminelen im Land. Außerdem werden pro Jahr Tausende Personen Opfer einer sogenannten Express-Entführung, wobei man für einige Stunden entführt wird und in dieser Zeit Geldsummen überweisen muß und anschließend sein Auto abgeben muß.
In Caracas trieb die Polizei am Mittwohabend mit Tränegas Truppen Demonstranten auseinander, die die Wege blockierten. Die Regierung hat Angst, dass die Demonstrationen in spontanen Proteste gegen der Regierung ausarten. Minister Jesse Chacón für Innere Angelegenheiten rief die politischen Parteien und die Medien auf, die Morde nicht zu politisieren.
Mitterweile hat der Bürgemeister von Caracas erste Maßnahmen um die Gewalt in der Hauptstadt ein zu dämmen, genommen. Juan Barreto kündigte an, die PM, die Policia Metropolitana zu `militarisieren`. Mehrere Armeeofiziere wurden der Führung der Polizei hinzugefügt. Barreto schloß die Beteiligung von Polizisten an der Entführung der Brüder Faddoul nicht aus. Außerdem veröffentlichte Barreto eine Übersicht von 512 Polizisten die in kriminellen Aktivitäten verwickelt sind, von Entführungen, Erpressungen über Verwaltigung bis zu Serienmorde. Laut Barreto sei dies ein `Produkt der Ausbildung dieser Polizisten in der Zeit der vierten Republik (die politische Ära vor der Machtsübernahme durch Präsident Chávez)`. Barrreto hat seit seiner Amtsübernahme schon mehr als 3.000 Polizisten die in kriminellen Aktivitäten verwickelt waren, entlassen.
Am Freitag trafen sich Minister, Richter, Anwälte und Abgeordnete um mehrere Maßnahmen gegen die Kriminalität zu nehmen. Minister Chacón kündigte die Gründung eines nationalen Instituts für die Polizeireform an. Innerhalb von 120 Tagen sollen Vorschläge zur Verbesserung der komplizierten Polizeistruktur in Venezuela vorgelegt werden.
Raus aus dem CAN, rein in dem TCP
Venezuela steigt aus der Andengemeinschaft (CAN) aus. Dafür kommt das Handelsabkommen der Völker (TCP).
Jeroen Kuiper
In: Junge Welt, 2006
Caracas - Venezuela, Kuba und Bolivien werden diesen Samstag das sogenannte `Handelsabkommen der Völker` (TCP) in Havanna unterzeichnen. Die drei linksorientierten lateinamerikanischen Ländern kamen zu diesem Schritt, nachdem Venezuela letzte Woche angekündigt hatte, aus der Andengemeinschaft (CAN) aus zu steigen. Das TCP soll eine Alternative zu den heftig umstrittenen bilateralen Freihandelsabkommen (TLCs) zwischen der USA, Kolumbien und Peru sein.
Dem bolivianischen Präsidenten Evo Morales zufolge sei das TCP die praktische Umsetzung des Vorschlages des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zur Gründung der ALBA, die Bolivarianische Alternative für Lateinamerika und die Karibik. Chávez wirbt schon seit Jahren für die ALBA als Alternative für die US-amerikanische ALCA, eine Freihandelszone für die amerikanischen Länder, ein Projekt das mittlerweile durch Widerstand verschiedener Länder gescheitert ist. Stattdessen versuchen die USA jetzt bilaterale Handelsabkommen mit lateiamerikanischen Ländern zu vereinbaren. In Kolumbien und Peru waren sie bisher erfolgreich, in Ecuador wurden die Verträge nach massiven Protesten in den letzten Monaten vorläufig auf Eis gelegt.
Vorletzte Woche war Boliviens Vizepräsident David Choquehuanca in Caracas um das Handelsabkommen der Völker mit der venezolanischen Regierung ab zu stimmen. Die drei Mitglieder des TCPs sollen untereinander zum Nulltariff handeln können. Das Abkommen wird Morales zufolge auch den Handel von Koka mit Venezuela und Kuba beinhalten, wofür es einen Markt in diesen Ländern gibt.
Venezuela`s Präsident Chávez kündigte letzte Woche an, aus Solidarität bolivianisches Soja auf zu kaufen, dass Bolivien voraussetzlich in der Zukunft nicht mehr an Kolumbien verkaufen kann. Wegen der Unterzeichnung eines bilateralen Handelsabkommens mit den USA (das TLC) wird Kolumbien in Zukunft billiges Soja aus den USA importieren. Kolumbiens Präsident Uribe gab zu, dass das TLC den Sojahandel mit Bolivien beeinflussen könnte, sagte Bolivien aber auch eine Kompensation zu. Außer Soja will Venezuela in Zukunft auch landwirtschaftliche Produkte aus Paraguay und Uruguay für Solidaritätspreisen importieren.
Neben Kolumbien schloß in den vergangen Wochen auch Peru ein Freihandelsabkommen mit der USA. Diese beiden Handelsverträge waren für Chávez Anlass, den Ausstieg Venezuelas aus dem CAN an zu kündigen. `Die Freihandelsabkommen von Peru und Kolumbien mit der USA haben die Andengemeinschaft ermordet`, so Chávez `Die Andengemeinschaft ist zu einer Lüge geworden`. Außer Venezuela sind Kolumbien, Ekuador, Peru und Bolivien Mitglied der Andengemeinschaft. Der Prozess der Austretung wird mehrere Jahre dauern.
Die Reaktionen auf den Austritt Venezuelas waren unterschiedlich. Peru`s Präsident Toledo lehnte den Schritt ab: `Manche Länder haben solche hohen Einnahmen aus Öl, dass sie ihre Märkte nicht eröffnen müssen, aber wir müssen Arbeitsplätze kreieren`. Boliviens Präsident Morales bat Chávez, seine Entscheidung nochmal zu überdenken. Chávez antwortete, er wäre bereit dies zu tun, falls Kolumbien und Peru ihre Entscheidung zur Unterzeichung der Freihandelsabkommen auch nochmal überdenken würden. Es ist unklar, Morales und Chávez tatsächlich sehr unterschiedliche Meinungen über die Zukunft der Handelsmodelle in Lateinamerika haben.
Obwohl Venezuela jetzt beschlossen hat, aus der Andengemeinschaft aus zu treten, ist das Land gerade im Begriff, volles Mitglied von Mercosur zu werden. Mercosur ist ebenfalls ein lateinamerikanicher Handelsblock, mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paragay als Mitglieder. Das Austreten Venezuelas wird auch die Verhandlungen über Freihandel zwischen der EU und Lateinamerika erschweren, sagte Eurokommissarin Benita Ferrero-Waldner letzte Woche im Europarlament in Brüssel. Diese Verhandlungen starten am 12. Mai in Wien.
Venezuela steigt aus der Andengemeinschaft (CAN) aus. Dafür kommt das Handelsabkommen der Völker (TCP).
Jeroen Kuiper
In: Junge Welt, 2006
Caracas - Venezuela, Kuba und Bolivien werden diesen Samstag das sogenannte `Handelsabkommen der Völker` (TCP) in Havanna unterzeichnen. Die drei linksorientierten lateinamerikanischen Ländern kamen zu diesem Schritt, nachdem Venezuela letzte Woche angekündigt hatte, aus der Andengemeinschaft (CAN) aus zu steigen. Das TCP soll eine Alternative zu den heftig umstrittenen bilateralen Freihandelsabkommen (TLCs) zwischen der USA, Kolumbien und Peru sein.
Dem bolivianischen Präsidenten Evo Morales zufolge sei das TCP die praktische Umsetzung des Vorschlages des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zur Gründung der ALBA, die Bolivarianische Alternative für Lateinamerika und die Karibik. Chávez wirbt schon seit Jahren für die ALBA als Alternative für die US-amerikanische ALCA, eine Freihandelszone für die amerikanischen Länder, ein Projekt das mittlerweile durch Widerstand verschiedener Länder gescheitert ist. Stattdessen versuchen die USA jetzt bilaterale Handelsabkommen mit lateiamerikanischen Ländern zu vereinbaren. In Kolumbien und Peru waren sie bisher erfolgreich, in Ecuador wurden die Verträge nach massiven Protesten in den letzten Monaten vorläufig auf Eis gelegt.
Vorletzte Woche war Boliviens Vizepräsident David Choquehuanca in Caracas um das Handelsabkommen der Völker mit der venezolanischen Regierung ab zu stimmen. Die drei Mitglieder des TCPs sollen untereinander zum Nulltariff handeln können. Das Abkommen wird Morales zufolge auch den Handel von Koka mit Venezuela und Kuba beinhalten, wofür es einen Markt in diesen Ländern gibt.
Venezuela`s Präsident Chávez kündigte letzte Woche an, aus Solidarität bolivianisches Soja auf zu kaufen, dass Bolivien voraussetzlich in der Zukunft nicht mehr an Kolumbien verkaufen kann. Wegen der Unterzeichnung eines bilateralen Handelsabkommens mit den USA (das TLC) wird Kolumbien in Zukunft billiges Soja aus den USA importieren. Kolumbiens Präsident Uribe gab zu, dass das TLC den Sojahandel mit Bolivien beeinflussen könnte, sagte Bolivien aber auch eine Kompensation zu. Außer Soja will Venezuela in Zukunft auch landwirtschaftliche Produkte aus Paraguay und Uruguay für Solidaritätspreisen importieren.
Neben Kolumbien schloß in den vergangen Wochen auch Peru ein Freihandelsabkommen mit der USA. Diese beiden Handelsverträge waren für Chávez Anlass, den Ausstieg Venezuelas aus dem CAN an zu kündigen. `Die Freihandelsabkommen von Peru und Kolumbien mit der USA haben die Andengemeinschaft ermordet`, so Chávez `Die Andengemeinschaft ist zu einer Lüge geworden`. Außer Venezuela sind Kolumbien, Ekuador, Peru und Bolivien Mitglied der Andengemeinschaft. Der Prozess der Austretung wird mehrere Jahre dauern.
Die Reaktionen auf den Austritt Venezuelas waren unterschiedlich. Peru`s Präsident Toledo lehnte den Schritt ab: `Manche Länder haben solche hohen Einnahmen aus Öl, dass sie ihre Märkte nicht eröffnen müssen, aber wir müssen Arbeitsplätze kreieren`. Boliviens Präsident Morales bat Chávez, seine Entscheidung nochmal zu überdenken. Chávez antwortete, er wäre bereit dies zu tun, falls Kolumbien und Peru ihre Entscheidung zur Unterzeichung der Freihandelsabkommen auch nochmal überdenken würden. Es ist unklar, Morales und Chávez tatsächlich sehr unterschiedliche Meinungen über die Zukunft der Handelsmodelle in Lateinamerika haben.
Obwohl Venezuela jetzt beschlossen hat, aus der Andengemeinschaft aus zu treten, ist das Land gerade im Begriff, volles Mitglied von Mercosur zu werden. Mercosur ist ebenfalls ein lateinamerikanicher Handelsblock, mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paragay als Mitglieder. Das Austreten Venezuelas wird auch die Verhandlungen über Freihandel zwischen der EU und Lateinamerika erschweren, sagte Eurokommissarin Benita Ferrero-Waldner letzte Woche im Europarlament in Brüssel. Diese Verhandlungen starten am 12. Mai in Wien.
Margarita Pinto
Jeroen Kuiper
In: Onze Wereld, 2006
Cambalanche, een afvalverwerkingsplaats aan de rand van de Orinoco-rivier in Venezuela. Hier wonen ongeveer 50 Warao-gezinnen, een Indianengroep die uit hun oorspronkelijke woongebied in de Orinoco-delta verdreven zijn. Hier wonen de armsten, de mensen die verstoten zijn, achtergelaten door de overheid. Alleen Margarita Pinto, een 53-jarige inwoonster uit het nabijgelegen Ciudad Guyana, maakt zich druk om de Indianen. ` Ik ben hier niet om te helpen`, volgens de nuchtere Venezolaanse. `Ik wil samen met deze mensen iets opbouwen`.
Hoewel de Nederlandse hulporganisatie Onemen reclame voor haar werk maakt, heeft Pinto er geen idee van wie de Nederlandse DJ Ruud de Wild is, laat staan dat ze weet dat hij regelmatig met een t-shirt rondloopt waarop Margarita Pinto is afgebeeld. `Ik weet alleen dat dat de foto op het t-shirt niet erg op me lijkt`, zegt ze lachend. Pinto heeft zich altijd tot de armen in de samenleving aangetrokken gevoeld. `Ik identificeer me met hen, ik wil me voor hen inzetten. Ik kan niet gewoon in een schoenenfabriek werken of bij de bakker broodjes verkopen`.
Pinto`s gevoel voor rechtvaardigheid begon, toen ze nog tandartsassistente was. `We behandelden alleen mensen die verzekerd waren, de anderen hadden pech gehad. Daar kon ik niet tegen. Vervolgens ben ik met dit sociale werk begonnen. Mijn gezin steunt me, maar soms hebben mijn kinderen er moeite mee. Ze verwachten dat ik een product aflever, dat ik iets maak of verkoop ofzo. Maar zo gaat dat niet met mijn werk. Het is moelijk concrete resultaten af te leveren`.
Pinto kan zich niet voorstellen, dat er in Venezuela mensen te vinden zijn die in nog slechtere omstandigheden leven dan de Warao-Indianen in Cambalanche. `Ze drinken gewoon het rivierwater, dat vervuild is. Het zit vol met olieresten en metalen. De kinderen hebben huidziektes`. Ze wordt weer woedend als ze denkt aan die dag, dat er een tandarts naar Cambalanche kwam om de mensen over mondhygiëne voor te lichten. `Hoe durven ze!`, zegt Pinto verontwaardigd. `Hoe kun je de mensen hier nou gaan vertellen dat ze hun tanden vaker moeten poetsen, als ze niet eens schoon drinkwater hebben?`
De inwoners van Cambalanche wonen letterlijk tussen het afval dat ze elke avond mee naar huis nemen, wanneer ze terugkomen van de vuilnisbelt een paar kilometer verderop, waar ze werken. Rondom de hutjes waarin ze wonen, liggen hopen plastic, oude poppen en halfvergane schoenen. De hutjes zelf zijn uit plastic en roestige platen opgetrokken, ondersteund door stukken hout. Voor een paar centen sorteren de Warao dag in, dag uit afval, wat ze daarna aan tussenhandelaren verkopen. `De meesten van hen hebben geen idee van geld en van waarde. Dus worden ze constant bedrogen`, volgens Pinto.
Ze neemt me mee naar de hut van Marbeli. Binnen ligt in een hangmat de kleine Jairo, geboren op 8 maart dit jaar. `Marbeli is met HIV besmet`, vertelt Pinto. `Kijk eens naar het kind, hoe ondervoed het is. Het krijgt geen melk van de moeder. Ik heb al meerdere malen de gemeentelijke gezondsdienst gevraagd om poedermelk te brengen, maar ze vertikken het gewoon. Het interesseert ze niet. Als er niets verandert, sterft dit kind binnenkort`.
Volgens Pinto zijn de problemen van de Warao-Indianen niet van economische aard, maar gaat het om een sociaal probleem. `De Venezolanen willen hen niet, ze worden uitgesloten. Zolang we daarmee doorgaan, zal er hier niets veranderen. Het minste wat je kunt doen, is contact met hen hebben. Een glimlach helpt al, een hand vasthouden ook. Ik probeer vrienden met deze mensen te worden. Veel meer kan ik niet doen`.
Ondanks deze bescheiden woorden is Pinto constant met de autoriteiten in Ciudad Guyana in contact, om de Warao te helpen bij het opeisen van hun rechten. Ze helpt hen bij het opzetten van een visserscollectief, het opeisen van medische verzorging, de bouw van een school en de aanleg van putten voor drinkwater. Vanuit Nederland wordt Pinto gesteund door www.onemen.org
Jeroen Kuiper
In: Onze Wereld, 2006
Cambalanche, een afvalverwerkingsplaats aan de rand van de Orinoco-rivier in Venezuela. Hier wonen ongeveer 50 Warao-gezinnen, een Indianengroep die uit hun oorspronkelijke woongebied in de Orinoco-delta verdreven zijn. Hier wonen de armsten, de mensen die verstoten zijn, achtergelaten door de overheid. Alleen Margarita Pinto, een 53-jarige inwoonster uit het nabijgelegen Ciudad Guyana, maakt zich druk om de Indianen. ` Ik ben hier niet om te helpen`, volgens de nuchtere Venezolaanse. `Ik wil samen met deze mensen iets opbouwen`.
Hoewel de Nederlandse hulporganisatie Onemen reclame voor haar werk maakt, heeft Pinto er geen idee van wie de Nederlandse DJ Ruud de Wild is, laat staan dat ze weet dat hij regelmatig met een t-shirt rondloopt waarop Margarita Pinto is afgebeeld. `Ik weet alleen dat dat de foto op het t-shirt niet erg op me lijkt`, zegt ze lachend. Pinto heeft zich altijd tot de armen in de samenleving aangetrokken gevoeld. `Ik identificeer me met hen, ik wil me voor hen inzetten. Ik kan niet gewoon in een schoenenfabriek werken of bij de bakker broodjes verkopen`.
Pinto`s gevoel voor rechtvaardigheid begon, toen ze nog tandartsassistente was. `We behandelden alleen mensen die verzekerd waren, de anderen hadden pech gehad. Daar kon ik niet tegen. Vervolgens ben ik met dit sociale werk begonnen. Mijn gezin steunt me, maar soms hebben mijn kinderen er moeite mee. Ze verwachten dat ik een product aflever, dat ik iets maak of verkoop ofzo. Maar zo gaat dat niet met mijn werk. Het is moelijk concrete resultaten af te leveren`.
Pinto kan zich niet voorstellen, dat er in Venezuela mensen te vinden zijn die in nog slechtere omstandigheden leven dan de Warao-Indianen in Cambalanche. `Ze drinken gewoon het rivierwater, dat vervuild is. Het zit vol met olieresten en metalen. De kinderen hebben huidziektes`. Ze wordt weer woedend als ze denkt aan die dag, dat er een tandarts naar Cambalanche kwam om de mensen over mondhygiëne voor te lichten. `Hoe durven ze!`, zegt Pinto verontwaardigd. `Hoe kun je de mensen hier nou gaan vertellen dat ze hun tanden vaker moeten poetsen, als ze niet eens schoon drinkwater hebben?`
De inwoners van Cambalanche wonen letterlijk tussen het afval dat ze elke avond mee naar huis nemen, wanneer ze terugkomen van de vuilnisbelt een paar kilometer verderop, waar ze werken. Rondom de hutjes waarin ze wonen, liggen hopen plastic, oude poppen en halfvergane schoenen. De hutjes zelf zijn uit plastic en roestige platen opgetrokken, ondersteund door stukken hout. Voor een paar centen sorteren de Warao dag in, dag uit afval, wat ze daarna aan tussenhandelaren verkopen. `De meesten van hen hebben geen idee van geld en van waarde. Dus worden ze constant bedrogen`, volgens Pinto.
Ze neemt me mee naar de hut van Marbeli. Binnen ligt in een hangmat de kleine Jairo, geboren op 8 maart dit jaar. `Marbeli is met HIV besmet`, vertelt Pinto. `Kijk eens naar het kind, hoe ondervoed het is. Het krijgt geen melk van de moeder. Ik heb al meerdere malen de gemeentelijke gezondsdienst gevraagd om poedermelk te brengen, maar ze vertikken het gewoon. Het interesseert ze niet. Als er niets verandert, sterft dit kind binnenkort`.
Volgens Pinto zijn de problemen van de Warao-Indianen niet van economische aard, maar gaat het om een sociaal probleem. `De Venezolanen willen hen niet, ze worden uitgesloten. Zolang we daarmee doorgaan, zal er hier niets veranderen. Het minste wat je kunt doen, is contact met hen hebben. Een glimlach helpt al, een hand vasthouden ook. Ik probeer vrienden met deze mensen te worden. Veel meer kan ik niet doen`.
Ondanks deze bescheiden woorden is Pinto constant met de autoriteiten in Ciudad Guyana in contact, om de Warao te helpen bij het opeisen van hun rechten. Ze helpt hen bij het opzetten van een visserscollectief, het opeisen van medische verzorging, de bouw van een school en de aanleg van putten voor drinkwater. Vanuit Nederland wordt Pinto gesteund door www.onemen.org
Venezolaanse olie-economie loopt langzaam vast
Venezolaanse olie-economie komt langzaam tot stils
Chávez dreigt VS met olie-boycotVenezolaanse olie-economie loopt langzaam vast
Dankzij recordprijzen op de wereldmarkt beleeft Venezuela een eche oil bonanza. Toch dreigt de economie langzaam vast te lopen. Te veel auto`s, te weing voedsel.
Jeroen Kuiper
In: De Pers, februari 2008
Socialismo, patria o muerte!, oftewel socialisme, vaderland of de dood!, staat op gigantische posters aan de bedrijfsgebouwen van de staatsoliemaatschappij PDVSA in het centrum Maracaibo, de oliehoofdstad van Venezuela. Op de zijwand schudt president Hugo Chávez energiek zijn vuist: de olie is van het volk, en daarmee zullen we voortstoten in de vaart der volkeren! Dat lukt echter maar gedeeltelijk. Ooit was PDVSA een soepel functionerende onderneming, inmiddels is het één van `s werelds meest inefficiente oliebedrijven. `Dat komt doordat Chávez na de nationale staking van 2002 zo`n 18.000 medewerkers van PDVSA ontsloeg, vooral medewerkers uit de hogere echelons`, aldus de Venezolaanse olie-expert Elio Ohep. `Ze werden vervangen door onervaren mensen. Daardoor functioneert het bedrijf nu besluiteloos en inefficient.`
Die inefficientie is te zien in Cabimas, aan de oostkant van het Maracaibomeer. Hier wordt de Venezolaanse olie naar boven gepompt. Hoewel tientallen boortorens en olieplatforms in het blikkerende water van het Maracaibomeer te zien zijn, staan ook meerdere installaties aan de oever op reparatie te wachten. Gesleuteld wordt er echter niet; de levering van reserve-onderdelen is een probleem voor PDVSA. Het bedrijf heeft sowieso een tekort aan boortorens, gaf Luis Vierma, vice-president van PDVSA`s productie-unit afgelopen juli toe. `Het tekort is een operationeel noodgeval.`
Het Venezolaanse staatsoliebedrijf is niet alleen inefficient, Chávez zet het bedrijf steeds meer voor activiteiten in die niet tot haar core-business behoren. Zo organiseert PDVSA tegenwoordig voedselmarkten waar Venezolanen levensmiddelen tegen gereguleerde prijzen kunnen kopen. Tientallen miljarden van de winst worden afgetapt en besteed aan sociale hulpprojecten, de zogenaamde misiones. Veel economen vragen zich af hoe efficient deze projecten worden doorgevoerd.
Hoe de Venezolaanse regering denkt over de onafhankelijkheid van PDVSA, blijkt uit het feit dat de oliemaatschappij wordt geleid door Rafael Ramirez. Hij is tevens minister van aardolie en energie. Ohep: `Ramirez doet wat Chávez hem opdraagt. PDVSA is een black hole geworden, een deep black hole. Volgens de regering produceert het bedrijf 3,1 miljoen barrel olie per dag, maar instanties als de OPEC gaan uit van slechts 2,4 miljoen. Het valt echter niet te controleren, want sinds enkele jaren brengt PDVSA alleen nog maar jaarrapporten zonder cijfers uit.`
President Chávez gebruikt de olie niet alleen om de armoede in zijn land te bestrijden, hij zet het volgens zijn critici ook in als een politiek middel. Volgens hen koopt hij met zijn olie politieke invloed, door olie voor gunstige prijzen aan landen als Cuba, Nicaragua en Bolivia te leveren. Maar ook de hulpbehoevenden in de VS worden niet vergeten: het Venezolaanse CITGO leverde in 2007 voor 80 miljoen Dollar stookolie aan de armen in de New Yorkse Bronx. Verder subsidieerde Chávez het openbaar vervoer in Londen, waar de socialistische burgemeester Ken Livingstone nogal onder de indruk van Chávez is.
Geen olie meer voor de VS?
Om de Venezolaanse inkomsten uit de olieverkoop te verhogen, begon Chávez in 2007 aan de zogenaamde nationalisatie van de olie-industrie. Ohep: `De echte nationalisatie vond al in 1976 plaats. De afgelopen jaren heeft Chávez alleen de te betalen percentages voor royalties en belastingen drastisch verhoogd. Verder heeft hij vastgelegd dat PDVSA een aandeel van minstens 60 procent dient te hebben in internationale joint ventures.`
Hoewel de meeste multinationals zich schikten in de nieuwe voorwaarden, gingen de Amerikaanse oliemaatschappijen Exxon Mobil en ConocoPhilips niet akkoord met de nieuwe voorwaarden en vertrokken. Dat leidde onlangs tot uitspraken door een Britse rechter, die buitenlandse tegoeden van PDVSA ter waarde van 8,3 miljard Euro liet bevriezen, als garantie voor schadevergoedingen die Exxon Mobil van Venezuela verlangt. Chávez reageerde woedend, en dreigde afgelopen weekend de oliekraan naar de VS dicht te draaien. Volgens Ohep zal het allemaal zo`n vaart niet lopen. `Chávez heeft al vaker gedreigd de olieleveranties te stoppen. Hij probeert ook al tijden nieuwe afnemers voor zijn olie te vinden. Dat is in principe niet slecht. Maar het is niet realistisch om te denken dat in de toekomst alle Venezolaanse olie naar China gaat. Een tanker is een paar dagen naar Houston onderweg, maar naar China gaat het om enkele maanden. Dat is een enorm logistiek probleem.`
Zes nieuwe Hummerdealers
De inefficientie en de politieke instrumentalisering van de PDVSA: Venezuela komt er mee weg. Het kan, omdat de prijs voor een barrel olie inmiddels de magiche grens van 100 Dollar heeft overschreden. Sinds 2004 groeide de Venezolaanse economie op basis van de olieproductie met percentages van 9 tot 17 procent per jaar. Het geld rolt dan ook in Venezuela, waar de consumenten kopen en kopen en kopen.
`We hebben last van de Dutch disease`, vertelt Teodoro Petkoff, ex-presidentskandidaat en tegenwoordig uitgever van oppositiekrant Tal Cual in zijn veel te kleine directiekamertje in het centrum van Caracas. `Door de hoge olieprijs is onze munt kunstmatig veel waard. Daardoor is het relatief onaantrekkelijk zelf te produceren. Het is gemakkelijker om met ons geld goederen te importeren. Gevolg: 80 procent van ons voedsel wordt geimporteerd, terwijl we een enorm vruchtbaar land zijn. In omringende landen wordt slechs 20 procent van het voedsel geimporteerd.`
Deze hoge importquote geldt niet alleen voor voedsel, maar ook voor andere goederen, zoals auto`s. Door de hoge liquiditeit van de Venezolanen worden meer auto`s dan ooit verkocht. `Wie bij ons een Seat wil kopen, moet drie tot vier maanden wachten, vertelt Seat-verkoopster Mildred de las Salas in haar gekoelde showroom in Maracaibo. `Mensen willen vooral onze luxe modellen.` Of klanten ook naar het benzineverbruik vragen? Om zo`n vraag kan ze alleen lachen. In Venezuela kost een liter benzine ongeveer 2 cent, en is daarmee goedkoper dan water.
De Venezolaanse autovloot is nog nooit zo sterk gegroeid als de afgelopen jaren. Terwijl in Caracas het aantal auto`s normaal gesproken met 100.000 per jaar toeneemt, kwamen er alleen in de afgelopen twee jaar al bijna een miljoen auto`s erbij. Wie tegenwoordig een auto wil, moet minstens een half jaar op levering wachten. Dit jaar openen zes nieuwe Hummerdealers hun deuren in Venezuela. Daarmee is Venezuela het enige land in Zuid-Amerika met Hummerdealers ter plekke. Door de toename van auto`s zit het toch al extreem hectische stadsverkeer in Caracas het grootste deel van de dag muurvast.
Èèn van meest gereguleerde economieen ter wereld
Veel Venezolanen kopen een auto als een soort belegging. Naast auto`s is ook onroerend goed geliefd, omdat beide relatief waardevast zijn. Voor beide zijn bovendien gemakkelijk kredieten te krijgen, voor percentages die vaak lager liggen dan de feitelijke inflatie.
Op enkele duizenden dollars per persoon na, voor het doen van inkopen op het internet, mogen Venezolanen geen buitenlandse valuta meer beziitten. De Venezolaanse economie is inmiddels één van de meest gereguleerde ter wereld. Volgens een vergelijking van de Amerikaanse Heritage Foundation staat de Venezolaanse economie inmiddels op plek 148 van 157 onderzochte economien. Zelfs Syrie heeft een nog liberalere economie dan Venezuela.
Èén van de meest drastische ingrepen in de economie is de door de regering vastgestelde wisselkoers. De nationale munteenheid Bolivar, die begin 2008 drie nullen verloor en nu officieel Bolivar Fuerte (de sterke Bolivar) heet, verliest al weer in rap tempo haar waarde. Hoewel de officiele wisselkoers 3,1 Bolivar voor een Euro bedraagt, ontvang je op de zwarte markt acht Bolivar. De Venezolanen willen buitenlandse valuta om hun geld te beschermen tegen de inflatie van officieel 17 procent per jaar. Bovendien hebben bedrijven veel buitenlandse valuta nodig, want er wordt als een gek geimporteerd. Lokale bedrijven kunnen niet tegen de kunstmatig goedkoop geimporteerde goederen concurreren.
Voedseltekorten
Door de steeds verdergaande ingrepen in de economie ontstaan regelmatig ongewenste bijwerkingen. Zo heeft de regering sinds enkele jaren voor een aantal levensmiddelen maximumprijzen vastgesteld. Op die manier moeten ook de armsten in het land zich hun eten kunnen veroorloven. De uitwerking is echter averechts, volgens Teodoro Petkoff. `Door de vastgestelde prijzen is het niet aantrekkelijk te produceren: bedrijven verdienen simpelweg niet genoeg. Bovendien wordt een deel van de gesubsidieerde producten naar Colombia gesmokkeld. Het gevolg van dit alles zijn voedseltekorten.`
Al maandenlang zijn er regelmatig tekorten aan melk, eieren, koffie, kip, vlees en meel. `Het is een paradoxe situatie`, aldus Petkoff. `Venezuela heeft al meerdere oliecycli meegemaakt en iedere keer was de val aan het eind heel diep. De olieprijs daalde en de Venezolaanse economie stortte in. Nu is het nog onwerkelijker, want de olieprijs staat op recordhoogte. Maar de straten zijn verstopt met auto`s en de winkels raken leger en leger. Er wordt niet duurzaam geinvesteerd, we subsidieren en consumeren alleen maar. De economie komt piepend tot stilstand. En dat met recordprijzen voor onze olie. Dat is een heel enge ontwikkeling.`
Broederruzie
Spanningen tussen Venezuela en ColombiaBroederruzie
Hugo Chávez heeft ruzie met zijn voormalige hermano Àlvaro Uribe, president van buurland Colombia. De spanningen tussen beide landen groeien. Een oorlog lijkt gelukkig nog ver weg.
Jeroen Kuiper
In: De Groene Amsterdammer, februari 2008
`Voor mij is hij een schizofreen`, vindt José Eustorgio Colmenares Ossa, directeur van de liberale krant La Opinion in Cucuta, Colombia`s belangrijkste stad langs de grens met Venezuela. `En ik kan het weten, want ik heb een opleiding tot arts gevolgd`, voegt hij er voor de zekerheid nog even aan toe. Colmenares moet niks hebben van het petrosocialisme van de Venezolaanse president Hugo Chávez; hij heeft inmiddels een persoonlijke fobie voor het buurland gekregen. `Ik ga er niet meer heen, tot teleurstelling van mijn vrouw. Zij ging altijd graag winkelen in San Cristóbal, een grote Venezolaanse stad ongeveer een uur hier vandaan.` Vanachter zijn bureau uit tropisch hardhout heeft Colmenares uitzicht op twee portretten: die van zijn vader en zijn moeder. De oude heer Colmenares leeft inmiddels niet meer. `Op een avond drongen twee sicario`s het huis binnen. Ze schoten mijn vader voor de ogen van mijn moeder dood.` De reden voor de moord, die uiteraard nooit werd opgelost, zal wel de ongezouten mening van zijn vader in de krant over de FARC en de ELN zijn geweest. De familie Colmenares heeft een hekel aan linkse ideeen, of ze nou van de FARC of van Chávez komen.
Een Colombiaan met linkse ideeen is David Corredor Cuéllar, de nationale coordinator van de Movimiento Socialista Bolivariano, oftewel de Bolivariaanse socialistische Beweging in Colombia. `Het geeft niet dat jullie iets te laat zijn. De revolutie kent geen tijd`, wuift hij onze excuses bij binnenkomst weg. Die revolutie, dat is natuurlijk de bolivariaanse revolutie van Hugo Chávez in buurland Venezuela. `Uribe dient alleen de belangen van de Amerikanen, de imperialisten en de neoliberalen`, geeft Corredor maar eens een lekkere veeg uit de pan in het partijkantoor van de MSB in Cucuta. `Uribe is niet geinteresseerd in vrede in ons land, omdat veel mensen in zijn omgeving aan de burgeroorlog verdienen. Wij steunen Hugo Chávez. We zijn het met hem eens dat er een dialoog met de FARC moet komen, net als met de andere strijdende partijen in ons land. Maar Uribe denkt daar anders over, net zoals de meerderheid van de Colombianen. We bewonderen de bolivariaanse revolutie in ons buurland. Daarom reizen we regelmatig naar Venezuela, om onze broeders daar te ondersteunen.`
Lakei van de VS
Mensen als Corredor zijn een uitzondering in Colombia, want momenteel overheersen vooral de spanningen tussen beide landen. Het is er dan toch van gekomen: Venezuela en Colombia hebben ruzie. Tussen beide broederlanden leek lange tijd een vreemd soort huwelijk stand te houden: ondanks enorme politieke verschillen waren Uribe en Chávez regelmatig schouderkloppend her en der in Zuid-Amerika te zien. Dat was vreemd, want het socialistisch georienteerde Venezuela zou een bloedhekel moeten hebben aan het conservatisme van Uribe. In een inmiddels behoorlijk rood gekleurd Zuid-Amerika is Colombia tegenwoordig nog het enige land dat blindelings een pro-Amerikaanse koers vaart. Het moest dus haast wel een keertje mis gaan, en dat gebeurde dan ook. Aanleiding voor de ruzie was het afbreken van de bemiddelingspoging van Chávez tussen de FARC en Colombia door president Uribe in november afgelopen jaar, nadat Chávez op eigen houtje contact met de hoogste bevelhebber van het Colombiaanse leger had opgenomen. De aan de bemiddelingspoging verbonden mogelijke bevrijding van prominent FARC-gijzelaar Ingrid Betancourt (de Colombiaanse Francaise was ooit presidentskandidaat) was daarmee van de baan. Hoewel Chávez kort daarop drie andere gijzelaars vrij wist te krijgen, had Uribe het bij Chávez grondig verbruid. De vlam sloeg eind januari definitief in de pan, toen Chávez kort na een bezoek van Condoleezza Rica aan Bogotá de Amerikanen beschuldigde vanaf Colombiaans grondgebied een militaire operatie tegen Venezuela voor te bereiden. Chávez noemde Uribe vervolgens `een lakei van de VS, een lafaard, een leugenaar, een ruziezoeker, een manipulator`.
Volgens Colmenares komen de gevaren echter niet zozeer uit de VS, maar uit Venezuela zelf. `Venezuela wordt steeds meer een doorvoerland voor drugs uit Colombia. De grenzen staan wagenwijd open. Verder vrezen veel Colombianen dat Chávez via de FARC zijn linkse ideeen in ons land wil verspreiden. Hij wil zelfs dat de FARC van de internationale lijst van terroristische organisaties wordt gehaald!`
De zichzelf marxistisch noemende FARC zijn de laatste jaren in het defensief geraakt door het beleid van Uribe. Die stuurde tienduizenden militairen in het hele land de straat op, om de veiligheidssituatie te verbeteren. Met succes: inmiddels kunnen de meeste Colombiaanse steden weer overland bereisd worden, wat in de jaren negentig onmogelijk was. In die jaren leidde een reis van bijvoorbeeld Bogotá naar Medellin niet zelden tot ontvoering. Uribe mag dan extreem conservatief zijn en naar de pijpen van George Bush dansen, zoals ook veel Colombianen vinden, maar de toegenomen veiligheid is een enorme verbetering van hun levenskwaliteit. Overigens werden de FARC niet alleen door het leger teruggedrongen, maar ook door het demobilisatieprogramma van de Colombiaanse overheid. In dat programma worden ex-guerilleros twee jaar lang financieel ondersteund en krijgen ze een opleiding, wanneer ze hun wapens hebben neergelegd. Inmiddels hebben tienduizenden leden van de FARC, de ELN en paramilitaire groepen als de AUC het strijdveld verlaten.
Misión Soberanía Alimentaria
De spanningen tussen Colombia en Venezuela gaan echter niet alleen meer om de bemiddelingsstrijd met de FARC. Hoewel de Venezolaanse economie dankzij recordprijzen op de oliemarkt jaarlijks met meer dan tien procent groeit, zijn de binnenlandse problemen groot. Èèn van die problemen is het steeds groter wordende tekort aan levensmiddelen. Terwijl Chávez de voedseldistributeurs in het land, die traditioneel tot de oppositie behoren, van sabotage beticht, is de realiteit waarschijnlijk toch dat het voor producenten simpelweg niet aantrekkelijk is om levensmiddelen te producerern, sinds Chávez enkele jaren geleden maximumprijzen voor een aantal levensmiddelen vaststelde. Het idee was dat op die manier ook de armen in het land zich hun dagelijks eten zouden kunnen veroorloven. De realiteit zijn echter lege schappen. Vooral melk, eieren, kip, vlees, meel en koffie zijn nauewelijks nog te krijgen. Dat maakt Carla Jimenez woedend, een 45-jarige huisvrouw uit het Venezolaanse San Cristóbal. `Ik sta de hele ochtend al in de rij omdat er kip te koop schijnt te zijn. Maar die is inmiddels op. Nu moet ik weer wachten op de melk`, briest ze. De winkel waar ze staat te wachten is een MERCAL, een supermarkt die de Venezolaanse overheid speciaal heeft ingericht voor de armen in de bevolking. De MERCAL-keten verkoopt uitsluitend gesubsidieerde levensmiddelen. Maar ook deze winkel moet steeds vaker `nee` verkopen.
De gesubsidieerde producten van MERCAL, als ze al verkrijgbaar zijn, zijn niet alleen geliefd bij de Venezolanen. De afgelopen maanden werden ze massaal de grens over gesmokkeld naar Colombia, waar de goedkope Venezolaanse levensmiddelen met grove winst worden verkocht. De grensrivier de Táchira op tien minuten rijden van het centrum van Cucuta is ondiep en voor vrachtwagens gemakkelijk te passeren. `Elke nacht rijden er tientallen vrachtwagens de rivier door. De Venezolaanse douane is door- en door corrupt`, volgens Colmenares. De smokkelstroom richting Colombia heeft inmiddels zulke grote vormen aangenomen, dat president Chávez eind januari de `Mision Soberanía Alimentaria` in het leven riep. Hij stuurde duizenden militairen naar de grensregio, om de smokkel te stoppen. Tientallen winkeliers in de Venezolaanse grensstad San Antonio del Táchira die werden verdacht van medeplichtigheid aan de smokkel moesten hun winkels op last van het leger en de Guardia Nacional sluiten. Zo ook Cheo, die zijn achternaam niet wil noemen. Hij zit met een lusteloos gezicht in de middaghitte voor zijn gesloten winkel. `Eergisteren moest ik mijn winkel sluiten, vanwege onregelmatigheden in de boeken`, zegt hij diplomatiek. `Ik verkocht levensmiddelen, maar waarschijnlijk moet ik ander werk gaan zoeken. Ik heb geen idee hoe lang dit gaat duren.`
Hoewel Chávez met zijn actie Soberanía Alimentaria natuurlijk de smokkel een halt wil toeroepen, heeft de actie ongetwijfeld ook de doelstelling Colombia te ergeren. `Een gevolg van de actie is dat het levensonderhoud in Cucuta duurder wordt`, volgens Colmenares Verder leidt de handel tussen beide landen enorme schade: de controles aan de grens zijn verscherpt, waardoor vrachtwagens uren tot dagenlang moeten wachten, voordat ze de grens kunnen passeren.
De extreem strenge controles aan de grens zijn merkbaar op de laatste Colombiaanse kilometers voor de grenspost, waar langs de weg tientallen pimpineros, oftewel benzineverkopers, hun werk doen. `De zaken gaan slecht, vertelt Cralos Garrues, terwijl eindelijk weer eens een brommerrijder stopt. Hij staat naast een stuk of tien jerrycans met benzine, die hij aan automobilisten verkoopt. `In Colombia kost een liter benzine ongeveer 60 Eurocent, in Venezuela twee cent. Hier verkoop ik mijn benzine normaal voor 30 cent, maar doordat er zo weinig over de grens komt, is de prijs de laatste dagen gestegen naar bijna 50 cent.`
200.000 Colombiaanse vluchtelingen in Venezuela
In tijden dat er geen spanningen zijn tussen beide buurlanden, is de drukke grenspost tussen Cucuta en San Antonio del Táchira heel eenvoudig te passeren. Bewoners uit de grensregio mogen de grens dankzij een regionale overeenkomst zelfs zonder paspoort oversteken. Venezolanen en Colombianen kunnen tot aan San Cristóbal vrij reizen. Dat heeft niet alleen voordelen; ook mensen met minder goede bedoelingen komen zo gemakkelijk de grens over. Colmenares van La Opinion is er heel stellig over: `Verschillende commandanten van de FARC hebben hun basis tegenwoordig in Venezuela.`
Diezelfde FARC en de andere strijdende partijen in Colombia hebben tevens gezorgd voor een enorme stroom aan vluchtelingen richting Venezuela. Volgens Enrique Valles, het Spaanse hoofd van het VN-kantoor voor vluchtelingen (UNHCR) in San Cristobál, wonen er inmiddels ongeveer 200.000 Colombiaanse vluchtelingen in de Venezolaanse grensstreek. Valles: `Officieel zijn er slechts 10.000 vluchtelingen, waarvan 852 de officiele vluchtelingenstatus hebben gekregen, maar in werkelijheid zijn het er veel meer.` Een deel van de Colombiaanse vluchtelingen zit deze ochtend in het kantoortje van UNHCR, waar enkele medewerkers samen met een vertegenwoordiger van de Venezolaanse Banco Pueblo Soberano een workshop houden over microkredieten. `Het is heel moeilijk om fondsen voor de vluchtelingen te vinden, omdat veel donoren Venezuela als een rijk land zien`, volgens Valles. `Gelukkig wil de Venezolaanse overheidsbank Pueblo Soberano ons microkredietenprogramma medefinancieren. Daarbij hebben we echer een specifiek probleem. In de meeste landen waar we actief zijn, proberen we de rentepercentages voor de leningen zo laag mogelijk te houden. In het socialistische Venezuela lijkt de bank het geld echter zo ongeveer te willen weggeven, hier onderhandelen we juist over een wat hoger rentepercentage. We willen geen geschenken uitdelen.`
Op een half uurtje rijden van San Cristóbal is een deel van de Colombiaanse vluchtelingen in een barrio met de mooie naam Hugo Chávez te vinden. De UNHCR bouwde een watertank en legde wasplaatsen aan, maar desalleniettemin is Hugo Chávez een armoedige sloppenwijk. Hier wonen honderden voor het geweld gevluchte Colombianen in hutten uit golfplaten en plastic, zoals de 59-jarige Amanda Perez en haar 29-jarige dochter Sandra Liana. Dochter Sandra: `We hebben nauwelijks genoeg te eten, soms moet ik met mijn drie kinderen de ene schoolmaaltijd die we krijgen delen.` Moeder Perez klaagt over de problemen in de wijk: `Mijn zoon werkt op de vuilnisbelt achter de barrio, hij leeft van wat hij daar vindt en verkopen kan. Hij heeft de Colombiaanse nationaliteit en wil de Venezolaanse krijgen, omdat hij dan gemakkelijker ander werk krijgen kan. Maar het is zo moeilijk om hier een cédula (identiteitsbewijs, JK) te krijgen.`
Dat is het inderdaad, maar nog maar sinds kort. Sinds 2003 namelijk voert de regering Chávez de zogenaamde Misión Identidad door, waarbij miljoenen in Venezuela wonende mensen zonder identiteitspapieren een cédula ontvangen, waarmee ze ook allerlei sociale rechten krijgen. De vraag naar wie de stem van deze genaturaliseerde Venezolanen bij de volgende verkiezingen gaat, is niet moeilijk te beantwoorden. De missie werd echter zo`n groot succes, dat arme Colombianen speciaal om deze reden naar Venezuela trokken. Daarom zijn de activiteiten van Mision Identidad in de grensstreek inmiddels duidelijk teruggeschroefd.
FARC ontvoert Venezolaanse veeboeren
Niet alleen vluchtelingen komen vanuit Colombia naar Venezuela, ook de criminaliteit is de afgelopen jaren schrikbarend toegenomen in de grensregio. Dat weet Javier Pérez, voorzitter van veehoudersbond Asogata als geen ander. Pérez is te vinden in zijn kantoor op het jaarmarktterrein in het noorden van San Cristóbal. Juist op dit moment is de jaarmarkt in volle gang. Venezolaanse cowboys en cowgirls met grote hoeden, stevige laarzen en blikjes Polarbier lopen in drommen tussen de tentoongestelde koeien door. Opgeschoten jongens laten zich lachend met enorme stiereballen in hun hand door hun vrienden fotograferen. De barbeques met Venezolaanse rundersteaks sissen in de hitte. Iets verderop, achter de tentoongestelde tractoren, is een oververdovend spektakel gaande: coleo, oftewel staarttrekken. In een soort overdekte bak van ongeveer 100 meter lengte met aan weerszijden tribunes rennen vijf caballeros op hun paard achter een losgelaten stier aan. Wie als eerste de stier aan zijn staart vastpakt en hem tegen de grond trekt, heeft een punt gewonnen. De Venezolaanse massa kolkt, maar voorzitter Pérez heeft er geen oog voor. `Vandaag zijn weer twee veeboeren ontvoerd`, vertelt hij in zijn ruime kantoor, terwijl zijn secretaresse met lijsten met namen van alle ontvoerde boeren sinds 2001 binnenkomt. `Èèn ontvoerde boer komt hier uit de buurt, de ander uit de deelstaat Zulia, verder naar het noorden. Ze hebben hem al vermoord.` Volgens Pérez zijn er op dit moment 27 van zijn 1800 leden ontvoerd. De ontvoeringen worden zowel door gewone criminelen uitgevoerd als door de FARC, om geld af te persen.
De onveiligheid in de grensregio is de afgelopen jaren zo sterk toegenomen, dat de meeste veeboeren het voor gezien houden en naar de stad trekken. Ze houden hun boerderij aan, maar laten het werk door een opzichter uitvoeren. Inmiddels hebben daardoor de ontvoeringen de stad ook bereikt. `Het is de nieuwste trend`, vertelt Pèrez nuchter. `Of ik zelf angst heb? Natuurlijk. Als ik de deur uitga heb ik constant per telefoon contact met anderen, het liefst ga ik nergens alleen heen.`
Volgens hem is er wel een toekomst voor de veehouders in de regio, maar alleen als de veiligheidssituatie verbetert. Pérez: `Door de onveiligheid investeren veeboeren steeds minder. Mede daardoor ontstaan er tekorten aan melk. Om de veiligheid te garanderen, moet de regering meer militairen sturen. Ze heeft geen idee van hoe het leven hier in de bergen, ver weg van de hoofdstad is. Chávez ontkent zelfs dat er ontvoeringen door de FARC op Venezolaans grondgebied worden uitgevoerd. Dat is een enorme belediging.`
Linkse held/gevaarlijke gek
Chávez is op de weg terugLinkse held / gevaarlijke gek
Speeches van zeven uur, Cubaanse artsen naar het land halen, dreigen de oliekraan naar de VS dicht te draaien: welkom in het knotsgekke Venezuela, waar ex-legercommandant Hugo Chávez de touwtjes al negen jaar lang stevig in handen heeft. Sinds hij in december een belangrijk referendum verloor, brokkelt zijn populariteit echter af. Chávez is op de weg terug.
Jeroen Kuiper
In: Nieuwe Revu, februari 2008
Pana Burger, staat er op het hamburgertentje in Sabaneta, een gloeiend heet stadje in de Llanos, de Venezolaanse laagvlakte in het zuidwesten van het land. Dit is het gebied waar runderen grazen, palmen ruisen en anacondas geruisloos door het water glijden. Op de plek waar nu de hamburgerkeet staat, werd in 1954 in een hutje uit palmbladeren een jongentje geboren, dat het tot de meest besproken president van Zuid-Amerika zou schoppen: Hugo Rafael Chávez Frías. De kleine Hugo was één van maar liefst zes zonen, die moeder Elena Chávez ter wereld bracht.
`Ik ken hem wel, hij zat bij mij op school`, vertelt Cristóbal Torres, een 51-jarige boer uit Sabaneta. `Zijn vader was mijn leraar. We noemen hem nog altijd de maestro.` Torres schuift zijn pet heen en weer; het zweet op zijn voorhoofd kriebelt. `Chávez is één van ons`, vindt hij. `Hij komt hier vandaan, van het Venezolaanse platteland. En kijk eens naar de vooruitgang – vroeger waren de wegen hier zandpaden en woonden we in hutjes uit palmbladeren. Nu is Sabaneta een moderne stad. We hebben goede wegen, een suikerfabriek en een medisch centrum met Cubaanse artsen.`
De macht in handen van de familie Chávez
Of de familie van Hugo Chávez, die voor het grootste deel nog steeds in en om Sabaneta woont, zich heeft verrijkt door de machtspositie van hun beroemde zoon, weet Torres niet. `Ik ken de verhalen. Ze zouden stukken grond hebben, een heel wagenpark aan fourwheeldrives, maar het zijn geruchten. En ook al zou het zo zijn: als ik de kans zou hebben, zou ik ook mijn familie ondersteunen. Zo simpel is het.`
Om het de familie Chávez zelf te vragen, blijkt onmogelijk te zijn. Aníbal Chávez, een jongere broer van de president, is burgermeester van Sabaneta, maar volgens zijn secretaresse `niet aanwezig.` Wat verderop in het stadje bevindt zich het kantoor voor Cubaans-Venezolaanse samenwerking, waar broer Narciso de scepter zwaait. Maar ook hij is onvindbaar. `Ik geloof dat hij in Barinitas is`, vertelt een medewerkster, terwijl een traag ronddraaiende fan probeert de stilstaande hitte te verdrijven. Na een kwartiertje bellen is Narciso gelocaliseerd. `Hij zit in Caracas.` Al te gretig zou Narciso waarschijnlijk sowieso niet zijn geweest op een interview. Twee jaar jaar geleden werd de lokale suikerrietfabriek, een Cubaans-Venezolaans voorbeeldproject voor de ontwikkeling van de geboortestad van Chávez, beschuldigd van het verduisteren van staatsgelden. President Chávez ontplofte bijna van woede. `God, vergeef me, maar ik wens de verantwoordelijken de doodstraf toe`, zei hij tijdens een toespraak.
Sabaneta ligt een kilometer of dertig van Barinas verwijderd, de hoofdstad van de gelijknamige Venezolaanse deelstaat. Ook hier heeft de familie Chávez de touwtjes stevig in handen: vader Hugo de los Reyes Chávez is gouverneur, maar omdat hij al in de zeventig is, worden zijn taken waargenomen door één van zijn oudste zonen, Argénis.
Ook vader Chávez, zoon Argénis en moeder Elena, die voorzitter is van het lokale kinderfonds, zijn niet te spreken, volgens een medewerker van het lokale informatiebureau. `Ach, de familie Chávez, lacht een lokale journalist schamper. `Die krijg je nooit te pakken.
Op de Plaza Zamora in het centrum van Barinas zit Alfredo Sanginetti, een 35-jarige beroepsmilitair die een maand verlof heeft. Hij is, net zoals steeds meer Venezolanen, niet goed over de familie Chávez te spreken. `Wat zijn nou de resultaten van negen jaar Chávez? Er is hier niets veranderd. De armen zijn nog steeds arm. De politie is nog steeds corrupt, er is veel misdaad. Alleen de prijzen zijn omhoog gegaan. En Chávez heeft soldaten stemrecht gegeven, dat is zijn visie van een democratie. Ik ben erop tegen. Venezuela is het enige land ter wereld waar soldaten mogen stemmen.`
Loflied
Ruim zeshonderd kilometer verderop in de hoofdstad Caracas is het wantrouwen tegen Chávez nog niet aangekomen bij Taidy Vázquez in de volkswijk 23 de enero. De wijk was eens een middenklassewijk, maar is inmiddels afgeleden tot een gevaarlijke achterbuurt, waar de meerderheid op Chávez stemt. `We koken dagelijks voor 150 hulpbehoevenden, vertelt Vázquez, de vrouw met rode hoofddoek, terwijl ze in een enorme, pruttelende pan roert. `De mensen eten twee keer per dag bij ons. Waar ze zouden zijn als wij er niet waren? Dat wil ik niet weten.`
Vázquez leidt één van de 6.000 casas de alimentacion in het hele land, die dagelijks 900.000 Venezolanen van een warme maaltijd voorzien. Vázquez kookt voor mensen als Yolanda Contreras, een dove jonge vrouw, die apathisch op een stoeltje buiten het verzorgingtehuis op haar bord eten zit te wachten. Op haar buik ligt haar zeven maanden oude baby. `Tot voor kort woonden ze onder een brug`, vertelt Vázquez. Nu proberen we een huisje voor hen te regelen. Dat kan allemaal via de sociale programma`s van president Chávez.` Ze laat de voedselvoorraden achter in haar huis zien: groente, aardappelen, rijst, meel, alles is er. Ook vele pakken melk staan gereed, terwijl er momenteel toch een groot tekort aan melk heerst in het land. `Voor de allerarmsten zorgt de regering het beste`, verklaart Vázquez de pakken melk. Ze begint spontaan een loflied op haar geliefde president te zingen: `Met de Bolivariaanse revolutie van onze president is voedsel voor de armen gegarandeerd.`
Uiterlijk 2013 is het afgelopen
Hugo Chávez, de held van het volk. Voor miljoenen Venezolanen is hij de nieuwe libertador, de bevrijder die de gedachten van de armen verwoordt en hen hun waardigheid teruggeeft. Voor hen is hij een revolutionair én een democraat. Dat laatste bewees hij volgens zijn aanhangers nog maar eens, toen hij op 2 december afgelopen jaar na twaalf verkiezingsoverwinningen op rij zijn eerste nederlaag incasseerde – en accepteerde. Velen hadden dat nooit van Chávez verwacht, een reden waarom sommige Chávistas zijn nederlaag zelfs toejuichen, want de acceptatie van de nederlaag nam de oppositie de wind uit de zeilen.
Toch was de verkiezingsnederlaag een zeer gevoelige, want het ging om niets minder dan Chávez` politieke toekomst. Tijdens een referendum konden de Venezolanen niet alleen stemmen over 69 wijzingingen in de grondwet, maar ook over de vraag of Venezolaanse presidenten onbeperkt herkozen zouden mogen worden. Op dit moment bedragen de zittingstermijnen zes jaar en kann een president maximaal één keer herkozen worden) Als het aan Chávez had gelegen wordt hij tot in de oneindigheid herkozen. Het liep echter anders, en nu is het uiterlijk begin 2013 afgelopen met de tweede ambtsperiode van Hugo Chávez.
`Alleen door een coup te plegen kan hij nog aan de macht blijven` zegt ex-presidentskandidaat Teodoro Petkoff in zijn veel te kleine directiekamertje in het hart van Caracas. Petkoff, vroeger links guerrillero, is tegenwoordig directeur van de oppositiekrant Tal Cual en één van Chávez` scherpste critici. Volgens Petkoff heeft Chávez de afgelopen jaren alle macht naar zich toegetrokken. `Het parlament, de nationale bank, het hooggerechtshof, alles staat onder zijn controle. Chávez is een autocraat.`
Het kan snel gaan. Enkele maanden geleden ging vriend en vijand er nog vanuit dat Chávez het referendum zou winnen en ongeremd met zijn bolivariaanse revolutie door zou stomen, op weg naar het `socialisme van de 21ste eeuw`. Nu lijkt de ster van Chávez opeens dalende. Petkoff: `Ik ben benieuwd wat er tijdens de deelstaatverkiezingen in november gebeurt. De oppositie hoeft alleen maar af te wachten; de Chávista`s maken steeds meer fouten. Als het zo doorgaat, verliest Chávez een stuk of acht van zijn deelstaten.` Op dit moment zijn nog 22 van de 24 Venezolaanse deelstaten in handen van de Chavista`s.
Chávez schijnt inmiddels te hebben ingezien dat hij met zijn referendum voor veel mensen te snel ging. Mede daarom is hij begonnen met de oprichting van een nieuwe partij. Tot nu toe waren zijn aanhangers verzameld in de MVR, wat meer een beweging dan een partij was. De nieuwe partij, de Socialistische Eenheidspartij van Venezuela (PSUV) lijkt echter niet al te veel enthousiasme op te roepen bij de Venezolanen, volgens Petkoff. `De PSUV wordt op zijn best een partij die georienteerd is op het leninisme van de vorige eeuw. Maar het enthousiasme is gering. Ik was gisteren nog op een oprichtingsbijeenkomst. De zaal was half leeg. Mensen geloven steeds minder in de rethoriek.`
Aap in Miraflores
Net als Petkoff heeft de oppositie geen cent vertrouwen in Chávez. Voor hen is hij `de aap in Miraflores` (zo heet het presidentieel paleis), een dictator, een gek. Het begrip `gek` is al zo vaak als omschrijving voor Chávez gebruikt, dat het psychologen inmiddels officieel verboden is om de president `een gek` te noemen. Teodoro Petkoff is echter niet onder de indruk: `Medisch gezien is Chávez een psychopaat.`
Inderdaad vertoont Chávez nogal wat bizarre trekjes. Zo houdt hij bijna elke zondagmiddag, als de tropenzon aan de hemel knalt en de gemiddelde Venezolaan met een biertje onder de mangoboom zit, zijn praatprogramma `Alò Presidente`. Tijdens deze show, die niet zelden zes, zeven uur duurt, houdt hij Castro-achtige toespraken over zijn visie op de wereld, bespreekt hij tekeningen van zijn kinderen, leest hij voor uit socialistische poezie, scheldt hij Bush uit voor duivel, veegt hij met ministers de vloer aan (hij versleet er al 125) en zingt hij Venezolaanse liederen. Aló Presidente is een mooie uiting van de persoonlijkheidscultuur waar Chávez voor staat. Hij is een gepassioneerd man; vriend en vijand zijn het erover eens dat hij zeer charismatisch is. Dat vond ook Naomi Campbell, het Britse supermodel dat onlangs Chávez mocht interviewen voor lifestyleblad GQ. Chávez was in de stemming en vertelde Campbell dat hij Castro `de meest modieus geklede regeringschef ter wereld` vond. Verder vond hij ook de Engelse Prins Charles een aardige vent, maar helemaal begrijpen deed hij hem niet. `Waarom is hij met die Camilla samen? Die is toch lelijk?`
Chávez heeft zijn eigen humor – zo zei hij onlangs grappend tijdens een interview met een journalist van persbureau Reuters `Hou toch je kop`, in aanspeling op de Spaanse Koning Carlos, die hem tijdens de Ibero-Amerikaanse top in Spanje in december dezelfde woorden toebeet.
Het blijft echter niet alleen bij lollig – Chávez kan ook erger. Zo koelt hij regelmatig zijn woede op president Bush, voor hem de duivel in persoon. `Het ruikt hier naar zwavel`, zei Chávez in 2006, toen hij in het gebouw van de Verenigde Naties een speech hield op de plek waar de dag daarvoor `duivel` Bush nog had gestaan. Chávez verdenkt de Amerikanen ervan een aanslag op zijn leven te willen plegen. Feit is dat Florida vol zit met aartsconservatieve Cubanen en Venezolanen die niet zullen twijfelen wanneer ze de kans krijgen om een aanslag op het leven van Castro of Chávez te plegen. In Florida woont ook Carlos Andrés Perez, die tot 1993 president van Venezuela was, maar vanwege corruptiebeschuldigingen het land uitvluchtte. Enkele jaren geleden noemde de voormalige sociaal-democratische president Chávez `een hond die moet worden afgemaakt. Wat Venezuela nodig heeft, is geen democratie maar een junta. Ik ben beschikbaar.`, aldus de 81-jarige `toekomst` van Venezuela.
De woede van Chávez op de VS is wel enigzins begrijpelijk, want er zijn duidelijke aanwijzingen dat VS op zijn minst indirect betrokken was bij de kortstondige coup tegen hem in april 2002, toen hij voor enkele dagen werd afgezet. Helaas voor de VS keerde het volk zich tegen de coupplegers en verscheen Chávez enkele dagen triomfantelijk terug op het bordes van paleis Miraflores.
Inmiddels heeft Chávez het weer aan de stok met de VS; hij dreigde het land begin februari zelfs met een olieboycot. `Wij zullen u pijn doen, Mr. Danger!`, riep Chávez richting Bush. De Amerikanen haalden zich de woede van Chávez op hun hals omdat een Britse rechter eind januari buitenlandse tegoeden van de Venezolaanse staatsoliemaatschappij PDVSA ter waarde van 8,3 miljard Euro liet bevriezen. De reden: het Amerikaanse oliebedrijf Exxon Mobil verliet afgelopen jaar Venezuela nadat Chávez de olie-industrie in zijn land nationaliseerde. Exxon Mobil wil een schadevergoeding voor het volgens hen gedwongen vertrek.
De laatste tijd heeft ook Àlvaro Uribe, de president van buurland Colombia, het zwaar te verduren. Hoewel Uribe de enige president in Zuid-Amerika is die een zeer-pro-Amerikaanse koers vaart, tot gruwel van Chávez, waren beide mannen tot voor kort ondanks hun politieke verschillen dikke maatjes. Colombia was het `broederland` van Venezuela (er wonen naar schatting vier miljoen Colombianen in Venezuela), maar inmiddels heeft ook Uribe het bij Chávez verbruid, sinds hij Chàvez terugfloot bij zijn bemiddelingspogingen om gijzelaars van de FARC los te weken. Nu wordt ook Uribe voor lakei van de VS uitgemaakt, worden de grenzen scherp gecontroleerd, handelscontacten bevroren en zijn de rapen gaar. Om nog wat olie op het vuur te gooien, pleitte Chávez onlangs voor het van de terrorismelijst halen van de guerillabeweging FARC. Vele Colombianen vrezen dat Chávez de FARC als een middel wil gebruiken om zijn linkse ideeen in Colombia te verspreiden.
Begin 2006 werd ook Nederland herinnerd aan het feit dat Venezuela dichterbij is dan velen denken, toen spanningen ontstonden tussen dat land en de Nederlandse Antillen. Volgens mediaberichten zou Chávez zijn oog hebben laten vallen op de `laatste restjes Europese kolonie`. Chávez ontkende echter. Volgens hem zijn de verhoudingen tussen Venezuela en de Nederlandse Antillen prima. Wel was de toenmalige minister Kamp van defensie een `pion van Washington`.
Chávez heeft een stijl van leidinggeven die in Europa als politiek incorrect wordt ervaren. Daarom komt hij voor ons soms nogal clownesk over, maar de taal die hij spreekt is de taal van het volk. Daarom steunt nog steeds een deel van de Venezolanen hem. En natuurlijk helpt de hoge olieprijs. `De olie is zowel een zegen als een vloek voor ons land`, zegt Elio Ohep, een Venezolaanse olie-expert in Caracas. `Door de recordprijzen komt veel geld Venezuela binnen. En voorlopig zullen de prijzen niet erg gaan dalen. Dus kan Chávez nog een tijdje vooruit. Maar de economie begint langzaam vast te lopen. Als de olieprijs niet zo hoog was geweest, was Chávez al lang weggeweest.`
KADER
Het socialisme van de 21ste eeuw
Hugo Chávez, een notoire workalholic die slechts drie uur per nacht slaapt en op krachten blijft door sloten koffie te drinken, lijkt zijn versie van het `socialisme van de 21ste eeuw` in een proces van `learning by doing` te ontwikkelen. Hoever hij er mee gaat, en waarheen precies, is onduidelijk. Wel heeft Venezuela inmiddels één van de meest gereguleerde economien ter wereld. Volgens de Amerikaanse Heritage Foundation komt de Venezolaanse economie op plaats 148 van 157 vergeleken wereldeconomieen. De invloed van de Venezolaanse regering op de economie heeft vaak ongewenste bijwerkingen. Zo heeft de regering voor meerdere levensmiddelen maximum prijzen vaststeld, zodat het arme deel van de bevolking zich ook zijn dagelijkse voedsel kan veroorloven. De uitwerking hiervan is echter averechts: de prijzen liggen zo laag, dat het voor producenten niet de moeite loont om te produceren. Bovendien wordt een deel van de gesubsidieerde producten naar Colombia gesmokkeld. Gevolg: de afgelopen maanden zijn voedseltekorten ontstaan: melk, eieren, kip, vlees, meel en koffie zijn nauwelijks nog verkrijgbaar.
EINDE KADER
KADER
Venezuela en de olie
Een liter benzine kost in Venezuela ongeveer 2 Eurocent; de brandstof wordt door de Venezolaanse overheid gesubsidieerd. Buitenlandse afnemers betalen echter goed voor de Venezolaanse olie; het land verdient meer dan de helft van haar geld met de export van olie. Dat heeft geleid tot de zogenaamde Dutch disease: doordat er zoveel geld met de olieverkoop wordt verdiend, is de Venezolaanse Bolivar kunstmatig veel waard. Daardoor is het relatief aantrekkelijk om goederen te importeren, in plaats van ze zelf te produceren. Gevolg: in het vruchtbare Venezuela wordt ongeveer 80 procent van alle voedsel geimporteerd, terwijl dat percentage in omliggende landen rond de 20 procent ligt. Ook in andere bedrijfssectoren wordt weinig geinvesteerd. De Venezolaanse economie blijft daardoor zeer afhankelijk van de olieverkoop. Maar ja, de prijzen zijn hoog. Voorlopig komt de regering er mee weg.
EINDE KADER
Sonntag, 05.09.10
LINKSE HELD/GEVAARLIJKE GEK Chávez is op de weg terug
Linkse held / gevaarlijke gek
Speeches van zeven uur, Cubaanse artsen naar het la...
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